Trumps Reaktionen auf den Giftgasangriff in Nordsyrien

Nach dem erschütternden Giftgasangriff in Syrien, reagierte Trump direkt mit einem Gegenangriff auf den Stützpunkt, von wo der Angriff wahrscheinlich geflogen worden war. War dieser Angriff strategisch sinnvoll?

 

Am 4. April 2017 kamen über 80 Menschen, davon viele Kinder, durch einen Giftgasangriff in dem Ort Chan Scheichun ums Leben. Viele weitere wurden verletzt. Bei dem Giftgas handelt es sich um das Nervengas Sarin. Je nach der Stärke der Vergiftung führt Sarin zu Krämpfen, Sehstörungen, Atemnot, Bewusstlosigkeit bis hin zum Tod.           Bis heute ist nicht geklärt, wer hinter dem Angriff steckt. Die USA und weitere Länder vermuten, dass der syrische Präsident Assad für die Angriffe verantwortlich ist. Es könnten jedoch auch Rebellen hinter dem Angriff stecken, die versuchen, die USA wieder in einen Krieg gegen Assad ziehen zu lassen.                                                                                     Die USA und ihr Präsident Trump sind jedoch fest von der Verantwortlichkeit von Assad überzeugt. Aufgrund dieser Annahme hat Trump am 6. April 2017 59 Raketen auf den Flugplatz, von wo der Giftgasangriff vermutlich geflogen worden war, abgefeuert. Doch welche Hintergründe hatte der Angriff von Trump und war er strategisch sinnvoll?

Zunächst muss man betonen, dass dieser Luftschlag sich von den anderen in einem wichtigen Detail unterscheidet. Laut Amerika wurden Russland und Syrien vor dem Luftschlag gewarnt, sodass sich zum Zeitpunkt des Angriffes der USA kein Mensch mehr auf dem Flugplatz befinden sollte. Und tatsächlich ist bis heute von keinen Toten bei diesem Angriff berichtet worden. Bei diesem Angriff ging es in erster Linie darum, so „sauber“ wie möglich einen Angriff auf Assad und Syrien zu fliegen.                                         Momentan sprechen viele Indizien dafür, dass Assad den Giftgasangriff befohlen hat. Zum einen ist Assad für seine brutalen Methoden im syrischen Bürgerkrieg bekannt. Auch gab es 2013 schon einmal einen Giftgasangriff auf syrischem Boden, bei dem auch Assad verdächtigt worden war. Bis heute ist jedoch nicht geklärt, wer wirklich hinter dem Giftgasangriff steckte. Jedoch hatte Syrien damals nach langen Verhandlungen zugestimmt, dass seine Chemiewaffen unschädlich gemacht werden. Zum anderen hat Russland eine Resolution im Uno-Sicherheitsrat gestoppt, die zur Aufklärung maßgeblich beigetragen hätte. In dieser Resolution wurde noch keinem irgendeine Schuld zugewiesen, sondern sie sollte nur zur Auflösung des Giftgasangriffes führen. Zudem ist schon lange bekannt, das Russland und Syrien Verbündete sind.

Zunächst ist positiv an dem Luftschlag von Trump, dass ohne jemanden zu verletzten ein Zeichen gesetzt worden ist, wonach solche Giftgasangriffe nicht unbestraft bleiben und dass Amerika die Macht hätte, weitere Luftschläge auf Syrien zu fliegen. Er hat dem            Assad-Regime eine Grenze aufgezeigt und Obamas „rote Line“ in die Tat umgesetzt.   Zwar gilt es als sehr wahrscheinlich, dass Assad hinter dem Angriff steckt, dies ist jedoch noch nicht bewiesen,sodass der Angriff gerade gegen Assad überhastet und unüberlegt wirkt. Darüber hinaus war der Angriff nur ein Tropfen auf den heißen Stein. In Syrien gibt es genug weitere Militärstützpunkte, von denen aus die Bevölkerung weiter angegriffen werden könnte. Um zu verhindern, dass so ein Giftgasangriff von Assad nochmal ausgeübt werden kann, braucht es mehr als nur einen Luftschlag auf einen syrischen Flugplatz. Man müsste wahrscheinlich in einen langen Krieg in Syrien ziehen und das ist nicht im Interesse von Trump und vielen Amerikanern. Denn für sie steht an oberster Stelle Amerika.

Ein weiters Problem, welches aus dem Angriff auf den Flugplatz resultiert, ist das Verhältnis zwischen Russland und den USA. Die Russen haben bis jetzt zwar noch nicht militärisch gegen die USA reagiert, jedoch schon Konsequenzen angekündigt.                       Eine solche Konsequenz könnte sein, dass die Kommunikation über Flugbewegungen in Syrien gekappt wird. Ohne diese Absprachen könnte es zu versehentliche Kollisionen, oder ähnliche Vorfälle kommen, welche das Risiko für eine militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland erhöhen würde.                                                                           Zudem wolle Russland seine Luftabwehr in Syrien ausbauen, was ein deutliches Zeichen an die USA ist, seine militärischen Aktivitäten in Syrien nicht weiter auszubauen.

Im Wahlkampf hatte Trump noch deutlich angekündigt, sich aus Syrien herraus zu halten: „We should stay the hell out of Syria,…“, doch jetzt fliegt er wieder Luftangriffe in Syrien. Was hat Trump dazu veranlasst, so einen Luftschlag zu fliegen?

Dafür könnte es viele Gründe geben. Einer wäre, dass Trump schnell mal emotional reagiert oder sich von Familienmitgliedern beeinflussen lässt.                                                     Dieses Mal hatten Ivanka Trump (Tochter von Donald Trump) und andere Interne im Weißen Haus Donald Trump in seiner Entscheidung beeinflusst. Diese Nachricht wurde von Sean Spicer (Regierungssprecher) bestätigt. Dass solch heikle Aktionen, wie ein Luftangriff in Syrien, von der Familie entscheidend mitbestimmt werden, dürfte nicht überall für Begeisterung sorgen. Solche Entscheidungen sollten der Präsident und dafür zuständige Personen mit Bedacht entscheiden und nicht die Familie.

Der Hauptgrund für den Luftschlag von Trump war aber wahrscheinlich ein anderer:       Er wollte mit dem Angriff seine Macht unterstreichen und auch die Macht der USA. Es war das Zeichen: Der Weltpolizist ist wieder da. Diese Einstellung trifft bei vielen Amerikanern auf große Zustimmung, da es das Leitbild des großen, starken und mächtigem Amerika wiederspiegelt. Doch wird er sich jetzt im Syrien-Konflikt wahrscheinlich nicht weiter einmischen, da das nicht nicht seinem Leitbild entspricht. Er möchte sich nur auf Amerika konzentrieren, ganz nach seinem Leitbild: „Make America great again“. Zudem ist ein Großteil der Amerikaner (60%) dafür, sich aus dem Syrien-Konflikt rauszuhalten. Daher wird Trump sich nach diesem Luftschlag erstmal aus Syrien fernbleiben und keine weiteren militärischen Züge veranlassen.

Donald Trumps Luftschlag war einerseits nötig gewesen, da Giftgasangriffe nicht unbestraft bleiben sollten. Doch ist man sich bis heute nicht sicher, ob Assad oder jemand anders für den Giftgasangriff verantwortlich ist. Zudem gibt es noch viele weitere Flugplätze, von denen man solche Angriffe fliegen könnte. Ein einziger Luftschlag der USA reicht nicht aus, um etwas Wesentliches zu verändern. Daher kann man sagen, dass dieser Luftschlag zur Konfliktlösung in Syrien nicht beitragen soll und nicht beitragen wird. Es war eine schnelle und impulsive Reaktion aus dem Weißen Haus, mit der Trump seine Macht aufzeigt und Lob von Kritikern erhält. Der Luftschlag war jedoch weit entfernt von dem Beginn einer Konfliktlösung in Syrien.

 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Giftgasvorfall_im_April_2017_in_Syrien

https://www.defense.gov/News/Article/Article/1144601/trump-orders-missile-attack-in-retaliation-for-syrian-chemical-strikes/

http://www.dw.com/de/assads-giftgas/a-38326578

http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-resolution-zu-mutmasslichem-giftgasanschlag-scheitert-im-uno-sicherheitsrat-a-1142057.html

http://www.focus.de/politik/ausland/reaktion-auf-giftgas-angriff-trump-ueberrascht-mit-luftschlag-gegen-assad-und-schafft-sich-damit-drei-probleme_id_6914321.html

Tagesthemen vom 7.4.2017 22:10

http://www.ardmediathek.de/tv/Hart-aber-fair/Giftgas-gegen-syrische-Kinder-werden-w/Das-Erste/Video?bcastId=561146&documentId=42087676

http://www.focus.de/politik/videos/nach-giftgasangriff-ivanka-trump-beeinflusste-offenbar-die-meinung-ihres-vaters-zu-syriens-assad_id_6944962.html

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-04/us-angriff-syrien-donald-trump

http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-bevoelkerung-gegen-eingreifen-in-syrien-a-918454.html

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Eine Antwort auf Trumps Reaktionen auf den Giftgasangriff in Nordsyrien

  1. Ro sagt:

    Liebe wot11,
    vielen Dank für diesen Artikel. Ihr habt wirklich gut recherchiert und viele verschiedene Beweggründe von Trump auf ihre Plausibilität und die intendierte Wirkung hin abgeklopft, sehr ausführlich – auch wenn vielleicht etwas durcheinander. Heute zeigt sich jedenfalls mit den Auseinandersetzungen um den Abschuss eines syrischen Kampfflugzeugs und einer syrischen Drohne, dass die Gefahr eines militärisch ausgetragenen Konflikts zwischen den USA und Russland auf syrischem Boden durchaus nicht „aus der Luft gegriffen“ ist.
    Um zu Eurem Hauptargument der „roten Linie“ und der Rückkehr der „Weltpolizei“ zu kommen: Anhänger der Realistischen Schule mögen feiern, feiert Ihr auch? Hier wäre eine entschiedenere Stellungnahme zu wünschen.

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