Terrorismus über das Internet. Ist das möglich?

Heutzutage ist alles mit allem vernetzt. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, welche Gefahren mit dieser Vernetztheit einher gehen können. Theoretisch kann alles, was vernetzt ist, auch von Hackern gekapert werden. Manche Menschen vertreten die Meinung, die ganzen „Hacker-Geschichten seien nur Panikmache und es gäbe auch sichere Systeme, in die nicht eingedrungen werden kann. Die Vergangenheit hat uns jedoch das Gegenteil gelehrt. Die Frage ist kann man über das Internet mit Hilfe von Computern auch Terrorismus betreiben und wenn ja, sind Hacker dann Terroristen?

Vielen Menschen wird bei dem Begriff „Hacker wahrscheinlich eine Person vorschweben, die mit Hilfe moderner Technik Bankkonten leerräumt und Benutzerdaten stiehlt. Ist dies Terrorismus oder einfach nur kriminell? Im Allgemeinem wird Terrorismus als über einen bestimmten Zeitraum andauernde und geplante Gewalthandlungen mit politischer Zielsetzung angesehen. (Siehe: Quelle 11) Man merkt schnell, dass eben beschriebenes eher nicht unter den Begriff „Terrorismus“ fällt. Man kann zwar davon ausgehen, dass solche Aktionen geplant sind und eventuell auch über einen längeren Zeitraum andauern, aber mit Gewalt und politischer Zielsetzung hat das ganze eher weniger zu tun. Hier geht es wohl eher darum sich auf Kosten anderer zu bereichern. Man kann schlussfolgern, dass nicht alle Menschen, die sich Zutritt zu fremden Systemen verschaffen oder Vieren entwickeln, auch Terroristen sind.

Stuxnet: Terrorismus oder Präventivangriff?

Es gibt jedoch auch härtere Fälle, bei denen diese Frage nicht so einfach zu beantworten ist. Einer von diesen ist der Wurm Stuxnet. Ein Wurm ist ein Programm, dass sich selbstständig und im Verborgenen vervielfältigt, so auch Stuxnet. Der Virus wurde 2010 entdeckt und war am meisten im Iran verbreitet. Stuxnet war darauf ausgerichtet, Steuerungen der Firma Simens für Motoren zu manipulieren. Diese Steuerungen finden sich unter anderem auch in Urananreicherungsanlagen und Atomkraftwerken im Iran. Deswegen und weil der Wurm am meisten im Iran verbreitet war, wird davon ausgegangen, dass er entwickelt wurde, um diese Anlagen zu stören. Das ganze geht schon eher in die Richtung des Terrorismus. Alle Kriterien passen bis auf die Gewaltkomponente. Wenn Stuxnet wirklich mit der Intention, Urananreicherung zu stören und somit den Bau von Atombomben zu verhindern entwickelt wurde, könnte man auch sagen, dass dadurch Gewalt verhindert werden sollte.

Wer hinter Stuxnet steht, ist bis heute nicht klar. Es gibt Theorien, nach denen die USA oder Israel oder beide die Urheber sind. Da sich Israel durch das iranische Atomprogramm bedroht fühlt, ist diese Möglichkeit nicht abwegig. Wenn Israel wirklich der Urheber von Stuxnet ist, wäre dies kein Terrorismus, sondern eher eine Art Präventivangriff, eventuell aus Angst vor einem möglichem Krieg. Eins ist jedoch klar, das Programm ist so komplex, dass die Entwicklung ziemlich lange gedauert haben und vor allem teuer gewesen sein muss.

Kann man den Fall Stuxnet nun als Terrorismus verbuchen, wenn man davon ausgeht das die USA und Israel die Finger nicht im Spiel haben? Das ist Ansichtssache. Im Falle der Urananreicherung würde ich sagen, dass das ganze kein Terrorismus, sondern eine gute Sache war. Die iranische Regierung dürfte das jedoch anders sehen. Man darf dennoch nicht vergessen, dass der Code von Stuxnet seit seiner Entdeckung im Internet für jeden offen ist. Das heißt, der Code für einen der komplexesten Viren, den es je gab, kann theoretisch von jedem auf den aktuellen Stand gebracht und modifiziert werden. Dies wäre zwar mit einem großen Zeitaufwand verbunden, denn die Offenheit des Codes hilft natürlich auch Sicherheitslücken, die Stuxnet ausnutzte zu schließen, ist aber trotzdem eine sehr gute Vorlage für neue Versionen. Somit sind Szenarien wie das Zerstören von beispielsweise Ölpipelines nicht unrealistisch. Eine so gefährliche Software wie Stuxnet in die Welt zu setzen, und sei es für welchen Zweck auch immer, ist also nicht ganz ungefährlich. Die Spannbreite an Dingen, die man mit Viren und Eingriffen in fremde Syteme anrichten kann, ist also sehr groß.

Anonymous: Freiheitskämpfer oder Terroristen?

Wenn man sich mit dem Thema Cyber-Terrorismus und Hacker beschäftigt, kommt man nicht an dem Hackerkollektiv „Anonymous vorbei. Seit 2008 setzt sich Anonymous für Redefreiheit, ein freies Internet und gegen Zensur ein. Anonymous ist keine geschlossene Gruppe mit fester Hierarchie. Menschen, die sich zugehörig fühlen, bezeichnen Anonymous beziehungsweise eben genannte Ziele als Lebenseinstellung. Die Ziele von Anonymous hören sich eigentlich vernünftig an und trotzdem stehen in manchen Ländern wie z.B. den USA „Mitglieder“ auf der Terror-Watchlist.

Einer von ihnen ist der US-Amerikaner Jeremy Hammond. Er stahl fünf Millonen E-Mails von den Servern der Denkfabrik Stratfor und gab diese an die Enthüllungsplattform Wikileaks weiter. Hierfür wurde er 2013 zu 10 Jahren Haft verurteilt.

Wikileaks ist eine Plattform, auf der geheime Dokumente anonym veröffentlicht werden können. Sie wurde 2006 von Julian Assange gegründet. Er veröffentlichte vor allem Dokumente der US amerikanischen Regierung. Unter anderem veröffentlichte er im November 2010 Berichte von US-Botschaften an das US-Außenministerium. In diesen wird die Bundeskanzlerin Angela Merkel unter anderem als „selten kreativ bezeichnet. Die Folge solcher Veröffentlichungen war, dass amerikanische Bezahldienste wie PayPal, Mastecard und Visa Wikileaks den Geldhahn zudrehten und die Möglichkeit, an diese Website zu spenden, somit einstellten. Dies wiederum rief Anonymous auf den Plan, denn das Motto von Wikileaks „We open governments” deckt sich mit den Ansichten Anonymous und so legten sie die Websites genannter Bezahldienste lahm. Die Aktion lief unter dem Namen „Operation Payback” und eine Folge dieser Attaken war, dass bei einer schweizer Bank Kunden online keine Buchungen mehr durchführen konnten.

Sind solche Aktionen, die sich weitestgehend im Internet abspielen, nun Terrorismus? Geplant sind sie auf jeden Fall und meistens dauern sie auch über einen längeren Zeitraum an. Im Falle Payback gab es auch einen politischen Hintergrund. Anonymous unterstütze Wikileaks als Plattform gegen Zensur und für eine transparente Politik. Da sich die ganze Sache über das Internet abspielte gab es keine physische Gewalt. Man könnte eventuell sagen, dass mit Payback durch den Druck auf die US-Amerikanische Regierung und die Angriffe auf Bezahldienste psychische Gewalt ausgeübt wurde. Aus der Sicht der Amerikanischen Regierung und besonders konservativ eingestellter Menschen war Payback und die Veröffentlichung geheimer Dokumente auf Wikileaks terroristischer Natur. Es gibt jedoch auch viele Menschen, die Anonymous für ihre Aktionen feiern und sie als Freiheitskämpfer bezeichnen. Vergleicht man Anonymous mit „klassischen Terroristen” so fällt auf, dass die Motivationen recht unterschiedlich sind. Klassische Terroristen versuchen meist durch Gewalthandlungen eine Politikänderung zu erzwingen und somit Einfluss zu gewinnen, während Anonymous nicht die Politik ändern will, sondern nur für Meinungsfreiheit und gegen Zensur kämpft. Zwar greift Anonymous dafür oft auf illegale Mittel zurück, aber übt dabei keine körperliche Gewalt aus. Meiner Meinung nach sind Internet-Aktivisten keine Terroristen, denn ein freies Internet und die Meinungsfreiheit sind sehr wichtig. Dies soll jedoch nicht heißen, dass ich alle Aktionen von solchen gut finde. Jedoch sieht man am Beispiel von Stuxnet was heutzutage über das Internet möglich ist. Man kann durch die Venetztheit auch in der realen Welt großen Schaden anrichten. Es besteht also durchaus das Potential, über das Internet terroristisch aktiv zu werden.

Quellen:

1 – http://de.wikipedia.org/wiki/Cyber-Terrorismus (17.02.15 11:00)

2 – http://de.wikipedia.org/wiki/Stuxnet (24.02.15 11:06)

3 – https://vimeo.com/25118844 (07.03.15 16:16),

4 – http://de.wikipedia.org/wiki/Ver%C3%B6ffentlichung_von_Depeschen_US- amerikanischer_Botschaften_durch_WikiLeaks (09.03.15 19:25)

5 – http://de.wikipedia.org/wiki/WikiLeaks (09.03.15 19:25)

6 – https://www.youtube.com/watch?v=Kr6ON6wticM (09.03.15 19:25)

7 – http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Payback (14.03.15 14:54)

8 – http://de.wikipedia.org/wiki/Stratfor (14.03.15 14:54)

9 – http://de.wikipedia.org/wiki/Jeremy_Hammond (14.03.15 14:54)

10 – http://www.heise.de/newsticker/meldung/USA-Anonymous-Hacker-auf-Terror-Watchlist- 2535413.html (14.03.15 14:54)

11 – http://www.bpb.de/izpb/8686/internationaler-terrorismus?p=all (15.03.15 20:22)

12- http://www.focus.de/politik/ausland/iran/iran-israel-konflikt/praesident-ahmadinedschad-warnt- israel-iran-will-angreifer-im-persischen-golf-versenken_aid_919513.html (16.03.15 22:48)

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