NATO- Inwiefern ist sie mitverantwortlich an den aktuellen Krisen?

Die Welt steckt gerade in einer gewaltigen Krise. Auf der einen Seite wird in der Ukraine zwischen pro-russischen Separatisten und Pro-westlichen Ukrainern gekämpft. Auf der anderen Seite schockiert der Islamische Staat im Irak und in Syrien mit seinen grauenvollen und im wahrsten Sinne des Wortes- halsabschneiderischen Methoden, mit denen er ein Kalifat durchsetzen möchte. Dabei stelle ich mir die Frage, wie diese Krisensituationen mittels Revolutionen, Krisen und Provokation durch die Nato, wohlgemerkt mit ausgelöst wurden und wie viel die Nato an den Ursprüngen dieser Krisen eine Mitverantwortung trägt.

Was verkörpert die Nato?
Die NATO (North Atlantic Threaty Organization) dt. Organisation des Nordatlantikvertrags, oder „Atlantisches Bündnis“ spiegelt ein seit dem 4.April.1949 bestehendes Militärbündnis, welches aktuell 28 Länder umfasst wieder. Sie sollte damals, als die Welt nach dem zweiten Weltkrieg  in einer westlichen Welt und einer sowjetischen Welt aufgeteilt war, dem nordatlantischen Westen, so wie Westeuropa eine Sicherheit gegenüber dem aufstrebenden Kommunismus, den Unruhen, die sich in z.B Korea abspielten, sowie dem später als gegenantwort zur Nato gegründeten Warschauer Paktes bieten. Später leistete sie sich mit dem sozialistischen, sowie kommunistischen Warschauer Pakt ein ständiges Wettrüsten in einer Zeit, in der die Nato möglicherweise notwendig war um das Machtverhältnis zwischen beiden Systemen im Gleichgewicht zu halten.
Aufgrund Dessen, kann daraus gefolgert werden, dass die Nato ein Instrument des im kalten Krieg bestehenden Westens gewesen ist, um für die andere Supermacht, den „Sowjets“ eine Bedrohung darzustellen um die Sicherheit für den kapitalistischen Westen zu „verteidigen“.

Ende des Kalten Krieges
Nun kam es dann am Anfang der 1990er Jahre zu einem Wendepunkt in der Weltgeschichte. Die Sowjetunion viel zusammen und somit konnte auch dem Zerfall des Eisernen Vorhangs samt des Warschauer Paktes, welcher das Gegengewicht zur Nato verkörperte schließlich nichts mehr im Wege stehen. Der Kalte Krieg war in den mittleren 1990er Jahren offiziell vorbei, nur was lediglich aus dem Kalten Krieg erhalten blieb, war das nordatlantische Bündnis.

Dieses reduzierte zwar dessen Einsatzkräfte, aber weitete sich dennoch gen Osten aus und weihte, die ehemaligen in der Sowjetunion liegenden Baltischen Staaten in ihr Bündnis ein, als ob sie den Kalten Krieg gewonnen hätte. Das missfällt natürlich den Russen, die zuvor unter Michail Gorbatschow ihre Perestroika umsetzten, sich zurückzogen und nun zusehen müssen, wie die Nato, ihr ehemaliger „Gegner“ das Gegenteil von dem tut, was ihre Sowjetunion tat. Nun haben amerikanische Raketen die Möglichkeit, direkt an der russischen Grenze stationiert zu werden, was momentan auch so geschieht. Von einem Gleichgewicht der Machtverhältnisse kann hier wohl kaum die Rede sein.

Kampf gegen den Terror und Arabischer Frühling
10 Jahre Später, nach dem 11.September.2001 war es dann soweit: Die Nato rief erstmals in ihrer eigenen Geschichte einen Bündnisfall aus und sah den Angriff an einem Bündnispartner als einen Angriff an alle Partner an.Im daraus resultierenden „Kampf gegen den Terror“ an dem alle Nato-Mitglieder durch den Bündnisfall verpflichtet waren, marschierten unter der Bush-Regierung NATO-Einsatztruppen im Oktober 2001 in Afghanistan ein um gegen die dort herrschende Taliban zu kämpfen, wo bei es mehrere berichte gab, wie unschuldige Zivilisten, auch von deutschen Soldaten getötet wurden.
Dieser „Krieg gegen den Terror“ wurde u.A auch im Irak geführt, an dem die Nato zwar nicht direkt beteiligt war, ihn dennoch mit dem Krieg gegen den Terror indirekt mit auslöste und mehrere der Nato Bündnisänder daran beteiligt waren. Damit wurde die Nato zum ersten Mal militärisch aktiv und schoss über ihre Ursprüngliche Aufgabe, ein Gegengewicht zu einer anderen Großen Weltmacht zu bieten und Sicherheit in die Welt zu schaffen hinaus. Einzelne Terrorgruppen, wie die Taliban, oder Al Qaida, (Die im Kalten Krieg von den USA unterstützt wurden) stellten nach meinen Ansichten wohl kaum ein dominantes Gegengewicht wie die Sowjetunion dar.

Als der sogenannte „Arabische Frühling“ am Ende des Jahres 2010 ausbrach, begann die Nato den Sturz des damaligen Lybischen Machthabers Gaddhafi und die allgemein austretenden Bürgerkriege zu unterstützen, wo mit die Nato unter dem Deckmantel, die Rebellen und somit die Zivilisten zu schützen in Wirklichkeit sehr viel Chaos im Norden Afrikas anrichtete. Durch die vielen Revolutionen im Norden Afrikas, sowie in Syrien, ist die Lage dort sehr instabil und bewerkstelligt einen Nährboden für radikale Gruppierungen, wie den Islamischen Staat. Allerdings griff die Nato nicht direkt im Syrien-Konflikt ein, was die Frage über die Verantwortung der Nato hierbei natürlich nicht einfach macht.

Dennoch denke ich, dass die Eingriffe der Nato im „Arabischen Frühling“ und die indirekte Einflussnahme am Irak-Krieg eine indirekte Kettereaktion ausgelöste, die über der Instabilität der einzelnen, vom Krieg zerrütteten Nah-Ost-Staaten, radikalen Gruppen, wie den Is, diesen Nährboden anbot. Außerdem ist es meiner Meinung nach ein sehr häufig auftretendes Phänomen, das Gesellschaften, die Krieg miterleben sich eher radikalisieren, als in Frieden lebende Gesellschaften und die Nato brachte Chaos vor Allem nach Nordafrika, wo z.B Lybien ebenfalls vom IS bedroht wird.

Ukraine-Konflikt
Ebenso finde ich, dass die Nato auch eine wichtige Rolle spielt, wenn man das Verhalten Russlands im aktuellen Ukraine-Krieg verstehen möchte:

Wie am Anfang erwähnt, löste sich der Warschauer Pakt nach dem Kalten Krieg auf, während die Nato ihren Raum im Osten erweiterte und 1999 z.B ehemalige Warschauer Pakt-Staaten, wie Polen Tschechien und Ungarn mit aufnahm und später im Jahr 2004 die Baltischen Staaten, wie Lettland, Estland und Litauen mit einbezogen wurden.

Von Russischer Seite wird dies heute noch als Wortbruch angesehen, da angeblich von Westlicher Seite versichert wurde am Anfang der 1990er Jahre, sich nicht weiter gen Osten auszuweiten. Tatsächlich soll sogar ein Aktenvermerk des damaligen deutschen Außenministers Hans-Dietrich Genscher, der erst 2009 veröffentlicht wurde, folgendes Zitat darlegen: „BM (Bundesminister):Uns sei bewusst, dass die Zugehörigkeit eines vereinten Deutschlands zur Nato komplizierte Fragen aufwerfe. Für Uns stehe fest: Die Nato werde sich nicht nach Osten ausdehnen“. Darüber ob die Osterweiterung tatsächlich ein Wortbruch war, wird gerade aktuell viel diskutiert. Einige bestreiten es, andere sehen es, als einen Wortbruch an. Tatsache ist aber, dass die Nato Osterweiterung in Russland trotzdem eindeutig als ein Wortbruch und als Provokation wahrgenommen und verstanden wird.Der ehemalige russische Präsident Dimitri Medwedew, sah die Nato im Jahre 2010  aufgrund ihrer Osterweiterung und ihrer neu forcierten Raketenabwehrsysteme außerdem als eine Bedrohung der Sicherheitslage und eine Auflehnung gegen Russland an.

Nach der Majdanrevolution sah es danach aus, dass die zuvor von Russland beeinflusste Ukraine, sich nun in Richtung Europa bewegen würde und ein neues mögliches Nato-Mitglied werden könnte, wodurch Russland sich wahrscheinlich noch mehr „eingeengt“ fühlen müsste. Nun ist dieser Ukraine Krieg meiner Meinung nach zu eine Art Stellvertreterkrieg zwischen Westlichen Nato-Staaten und Russland geworden, in dem Russland die Pro-Russischen Separatisten militärisch unterstützt und die Nato zum Teil gegen den Willen der Europäischen Union, ebenfalls Waffen an die Pro-Westlichen Kämpfer liefern möchte. Auf Russischer Seite werden Westliche Kräfte, wie die USA und die Nato meiner Meinung nach allgemein als Bedrohung angesehen, die Russland schwächen möchte. Deswegen denke ich, dass Russland den Eingriff in die Ukraine und die Annexion der Krim zum Teil mit dem Gefühl der Bedrohung und der Provokation seitens der Nato legitimiert. Es ist nicht einfach, zu sagen, was der eindeutige Hauptgrund für das Verhalten Russlands ist, dennoch denke ich, dass das Verhalten der Nato gegenüber Russland in den letzten 20 Jahren unter den wichtigsten Beweggründen für Russlands Verhalten steht. Man stelle sich vor, die Nato hätte sich aufgelöst und der Warschauer Pakt hätte sich nach Westen ausgeweitet. Nun würde in einem Land, wie Mexiko eine Revolution ausbrechen, in der gefordert werde, dass Land solle sich ebenfalls nach Osten orientieren, wobei die USA dann auch ihren Einfluss auf Mexiko aufgeben müsste, wo für die USA ganz wichtige Handelsorte liegen würden. Ich glaube, dass die USA sich dann ebenfalls von der östlichen Seite bedroht fühlen würde. In einer ähnlichen Situation steckt Russland meiner Meinung nach aktuell.

Fazit

Deshalb trägt die Nato natürlich viel Mitverantwortung an den aktuellen Krisen, warum? Die Nato ist ein Kind des kalten Krieges. Der kalte Krieg hat ihre Daseinsberechtigung praktisch ausgemacht. Da seit dem Ende des Kalten Krieges kein Klassenfeind mehr existiert, braucht sie eine Legitimation für ihr Dasein und muss sich natürlich neue Aufgaben suchen. Die Ost- Erweiterung, hat Russland den Eindruck gemacht, als hielte sich der Westen für den Sieger des kalten Krieges, wo bei der „Verlierer“ hier dessen Niederlage natürlich nicht einfach so akzeptiert. Dabei hat die Nato zusätzlich ihre Daseinsberechtigung darin gefunden, den neuen Feind, den Terroristen den Kampf anzusagen und so Kriege zu legitimieren und dabei außerdem natürlich Revolutionen mit zu gestalten,  in Ländern, in denen ganz zufällig, wie in Lybien sehr viel Öl vorzufinden ist.

Demnächst möchte die Nato ihre Eingreiftruppe in den Baltischen Staaten erweitern. Ich finde, dass dieser Schritt seitens der Nato und der USA kein bisschen zur Deeskalation der aktuellen Lage in Europa beiträgt, sondern noch mehr Öl in das jetzt schon fast lodernde Feuer gießt.
Sollte es zu einem Krieg kommen, wäre Europa, der Kontinent auf dem er ausgetragen wird. Deshalb ist es für uns Europäer wichtig uns von der Nato nicht  immer mehr in eine Eskalation hineinziehen zu lassen. Ja, der Kreml hat auch wenig zur Deeskalation beigetragen und hat völkerrechtlich fragwürdige Entscheidungen im Bezug zur Ukraine-Krise getroffen. Ich glaube allerdings kaum, dass Drohungen der von der hauptsächlich, von den USA beeinflussten Nato zu einem friedlichen Ausgang der ganzen Situation führen wird, sondern uns immer mehr in einen neuen Krieg hinein schiebt und wir Europäer würden von diesem Krieg dann am meisten miterleben.

Es liegt also an den Entscheidungen unserer Regierungen, ob sie sich weiter an der Illusion halten, die Nato würde uns Schutz bieten, oder ob sie sich durch die Nato in eine immer angespanntere Lage ziehen lassen und es dann vielleicht zu einer Lage kommt, die wir alle nicht überleben werden.

Einzelne Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/NATO
http://www.tagesschau.de/ausland/nato-149.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Beteiligung_am_Krieg_in_Afghanistan
http://de.wikipedia.org/wiki/Arabischer_Fr%C3%BChling

http://www.neopresse.com/politik/neue-dokumente-belegen-nato-osterweiterung-war-ein-wortbruch/
http://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Osterweiterung

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Eine Antwort auf NATO- Inwiefern ist sie mitverantwortlich an den aktuellen Krisen?

  1. Chocolate sagt:

    Hallo Jaypi,

    Deine Vorgehensweise deiner Argumentationsstrukturen ist sehr gelungen.
    Als erstes zu erklären, was die Nato ist und wie und wodurch sie entstanden ist, frischt das Wissen des Lesers auf, sogar ohne Vorkenntnisse bekommt der Leser einen kurzen Überblick über die Nato.
    Daraufhin war eine Spezialisierung auf die Leitfrage erkennbar, da nach dem kurzen Überblick über die Nato die verschiedenen Krisen, mit Zwischenüberschriften gekennzeichnet, präsentiert wurden.
    Ferner ist es gut, dass eine chronologische Reihenfolge der Geschehnisse eingehalten worden ist, das hilft dem Leser die Argumentationen nachzuvollziehen.

    Es ist gut, dass versucht wurde nur einen kurzen Überblick über die „aktuellen Krisen“ zu schaffen, desto trotz ist dieser Überblick zu kurz und weist auf zu große Sprünge zwischen den Tätigkeiten der Nato. Ein Leser, der kaum eine Ahnung über die Krisen besitzt, hat Schwierigkeiten Ihnen zu folgen und muss um Ihre Argumentation nachvollziehen zu können selbst über die Krisen recherchieren. Außerdem möchte ich darauf hinweisen auf die Formulierungen zu achten, da dem Leser miss verständlicherweise falsche Daten vermitteln werden.
    Zum Beispiel behaupten Sie, dass „10 Jahre später, nach dem 11.September.2001“ die Nato den Bündnisfall zum ersten Mal ausgerufen habe. Der Leser versteht miss verständlicherweise, dass der Ausruf am 11.September 2011 sei, zehn Jahre nach dem Terroranschlag. In der Tat war er er sogar am 12. September 2001 auf die Reaktion des Terroranschlages vom 11.September 2001.
    Weiter hätten Sie den War on Terror und den arabischen Frühling in zwei eigene Kategorien unterteilen sollen, da kein Zusammenhang zu sehen ist, weshalb die beiden Krisen in einen Absatz gehören. Da sie die Zwischenüberschrift „Kampf gegen den Terror und Arabischer Frühling“ genannt haben, hätten sie die beiden Überschriften auch teilen können. Durch diese Vermischung verwirrt es den Leser und der denkt, dass der Krieg in Afghanistan etwas mit dem arabischen Frühling zu tun hat.

    Ihr Fazit ist sehr gelungen und aus ihrem Argumentationsgang nachvollziehbar. Sie argumentierten in den vorherigen Paragraphen, wie die Nato Schuld an den Krisen besaßen und im Fazit fassen sie es noch einmal zusammen. Ferner ist ihre Pointierung gelungen, dass die Nato laut vieler Verschwörungstheorien nur „ganz zufällig“ in Ländern sind, wo viel Öl aufzufinden ist. Letztlich ist auch Ihre Endthese durch die vorherigen Paragraphen nachvollziehbar, dass ein Krieg entstehen könne, von dem „wir alle nicht überleben können“, wenn die Bedrohung Russlands von der Nato zu groß werde. Dennoch ist es ein wenig übertrieben, denn meiner Meinung nach herrscht ein negativer Frieden derzeitig zwischen der Nato und Russland. Der daraus besteht, dass beide Partien sich vor den militärischen Beschaffenheiten des anderen fürchten und dadurch sich nicht trauen einen Krieg zu starten.

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