Krieg als letzte Lösung – oder gibt es eine Alternative zur Bekämpfung der IS-Terrormiliz?

IS töten mindestens 16 irakische Grenzsoldaten“ 1

Jeden Tag erreicht uns eine neue Nachricht aus dem nahen Osten, der IS hat wieder einmal Menschen hingerichtet. Die Debatte um einen erneuten Einmarsch von US-Truppen wird heißer. Denn einige halten eine gewaltsame Konfrontation für unumgänglich, während andere lieber eine diplomatische Lösung bevorzugen würden. Stellen wir uns einen Baum in der Natur vor. Das Ziel ist es diesen Baum zu beseitigen. Nehmen wir eine motorisierte Säge und versuchen den Baum zu beseitigen, so wird deutlich, dass die Wurzel vorhanden bleibt und nach einigen Jahren der Baum wieder wachsen könnte. Damit man den Baum komplett beseitigen kann, muss man die Wurzel des Baumes mit beseitigen. Wenn wir nun dieses Beispiel auf die heutige Situation projizieren, so lässt sich feststellen, dass wir andere Lösungen benötigen, um den IS stoppen zu können. Deshalb müssen wir erst einmal auf die vergangenen 12 Jahre zurückblicken.

Review

Im Jahre 2003 drang die USA mit ihren Truppen in den Irak ein, um den damaligen Diktator Saddam Hussein zu beseitigen und eine Demokratie im Sinne der Bevölkerung zu errichten. Einen vernünftigen Alternativplan, um diese Ziele zu verwirklichen gab es nicht. So wurde der ehemalige Diktator Saddam Hussein am 30. Dezember 2006 hingerichtet, da dieser an Massenmorden der kurdischen und schiitischen Bevölkerung verantwortlich war. In dieser Zeit gelang es der schiitischen Regierung sich zu legitimieren. Seitdem wird die sunnitische Bevölkerung massiv unterdrückt. Dadurch kam es seit der Umwälzung des alten Diktators zu einem Machtvakuum. Dort wo ein Vakuum entsteht, da kommt es bekanntermaßen auch zu einem Sog. Es lässt sich nun sagen, dass aufgrund dieses „Sogs“ einige islamistische Terrormilizen entstanden sind.

Der „IS“ hat sich in den letzten Monaten zu einem Gefahrenpotenzial mit mehr oder weniger großen Machtverhältnissen entwickelt. Er ist verantwortlich dafür, dass Menschen, die ihren Ansichten nach als „Ungläubige“ gelten, zu töten. Außerdem versuchen sie durch das Ausüben von Gewalt zum einen die „Scharia“ einzuführen und zum anderen ihr Territorium zu vergrößern.

Einige Politiker plädieren nun dafür, den „IS“ mit Gewalteinwirkung zu stoppen, da eine diplomatische Lösung nicht für möglich erscheint.

Nun stellt sich die Frage: „Krieg als letzte Lösung – oder gibt es eine Alternative zur Bekämpfung der IS-Terrormiliz?“

Bevor man eine Lösung des Problems finden kann, muss man sich erst einmal mit den Ursachen der Geschehnisse auseinandersetzen, damit man das Problem an der Wurzel anpacken kann.

Wie am Anfang erwähnt, ist seit 2006 eine schiitische Regierung an der Macht, diese unterdrückt einen Großteil der sunnitischen Bevölkerung. Dieses Problem lässt sich historisch gesehen weit zurück fassen, denn seit mehreren hundert Jahren herrscht im Nahen Osten ein mehr oder weniger starker Konflikt beider Glaubensrichtungen. Deshalb lässt sich schon mal sagen, dass man dieses Problem nur schwer in einigen Monaten bzw. in den nächsten Jahren in den Griff bekommen kann.

Aus diesen Gründen lässt sich eigentlich sagen, dass man die „IS“ nur noch mit einem gewaltsamen Akt bezwingen kann, sprich mit einem Krieg. Doch dieses Vorgehen halte ich für äußerst kritisch, denn wenn wir uns die letzten 20 Jahre anschauen, so lässt sich festhalten, dass aufgrund von Kriegen solche Terrormilizen erst entstanden sind. So hätten wir einen Kreislauf geschaffen, der sich nur schwer unterbinden lassen würde. Denn durch solche Kriege (Bsp: Irakkrieg), sind erst Terrormilizen entstanden, wenn man nun versucht diese Milizen mit dem gleichen Muster zu beseitigen, so würden wieder neue Milizen entstehen. An dieser Stelle möchte ich für die Beantwortung meiner Leitfrage ein Zitat von John F. Kennedy ( 1917 – 1963 ) hinzuziehen, denn dieser sagte: „Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.“ Dieses Zitat bringt die derzeitige Problematik meiner Meinung nach ziemlich gut auf den Punkt. Denn aus der Vergangenheit heraus, lässt sich feststellen, dass ein Krieg oft für mehr-, als weniger Probleme gesorgt hat. Deshalb finde ich, dass ein erneuter Krieg gemieden werden sollte. Demzufolge halte ich einen erneuten Krieg gegen die Terrormiliz für eine destruktive Lösung. Das bedeutet also, dass man eine andere Alternative finden muss.

Diplomatische Lösungsmöglichkeiten

Wie oben angeführt, unterdrückt die derzeitige schiitische Regierung massiv die sunnitische Bevölkerung. Aus diesem Grund und des Einzuges der amerikanischen Truppen entstand erst die „IS“. Deshalb muss meiner Meinung nach die „gemäßigte“ sunnitische Bevölkerung erst einmal wieder reintegriert werden. In Irak gibt es ca. 10 Millionen Sunniten, die meisten davon halten den „IS“ für eine gute Alternative die Unterdrückung aufzuheben. Jedoch sind sie, wie andere Muslime auch gegen jegliche Gewaltausübungen. Der „IS“ besitzt Schätzungen nach ca. 20 000 Mitglieder. Wenn also die gemäßigte sunnitische Bevölkerung wieder in das politische Geschehen des Iraks integriert werden, könnte es möglich sein, dass diese den „IS“ dadurch zurückdrängen. Denn wenn man sich das Verhältnis zwischen der „IS-Mitglieder“ und der sunnitischen Bevölkerung ansieht, so kommt man zu dem Schluss, dass ein Verdrängen des „IS“ durchaus als möglich erscheint. Anstatt Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen, sollte man einen diplomatischen Weg versuchen einzuschlagen und dadurch die Terrormilizen zurück zu drängen.

Mit Sicherheit lassen sich auch andere Lösungsvorschläge zur Bekämpfung des „IS“ finden. Wie z.B. ein Mitwirken der islamischen Länder im Nahen Osten. So könnten beispielsweise Saudi-Arabien, Kuwait, Katar etc. versuchen einen Plan mit westlichen Ländern zu entwickeln, die negative Folgen für den IS hätten. Ein primäres Ziel könnte die Eindämmung des Schwarzmarktes sein, denn die IS macht mit dem illegalen Verkauf von Erdöl einen Großteil ihrer Finanzen aus.

Fazit

Aus diesen Gründen halte ich einen erneuten Einmarsch von US-Truppen für die schlechteste Wahl. Denn in den letzten 15 Jahren hat sich gezeigt, dass der Irakkrieg nur für eine kurze Zeitspanne für Ruhe gesorgt hat. In dieser vermeintlichen „Ruhe“ sind im Gegenzug neue Terrormilizen entstanden. Man sollte versuchen einen diplomatischen Weg einzuschlagen, damit keine neuen Terrormilizen entstehen und Eskalationen gemieden werden. Der Ein oder Andere wird vermutlich sagen, dass die IS so barbarisch ist und man kein diplomatischen Weg einschlagen kann. Eins sei gesagt, die Umsetzung einer diplomatischen Lösung ist schwerer, als die IS mit Gewalteinwirkung zu stoppen. Jedoch halte ich die Erfolgswahrscheinlichkeit und die damit verbundene Nachhaltigkeit einer diplomatischen Lösung für wahrscheinlicher, als zu versuchen den Terror mit Krieg zu bekämpfen. Man muss sich im klaren sein, dass dort wo Terroristen auch Zivilisten vorhanden sind. Wenn man nun versucht die Terroristen mittels Bomben auszulöschen, sterben auch Zivilisten. Das primäre Ziel sollten Verhandlungen mit den Staatspräsidenten im Nahen Osten sein, damit man erst einmal die Probleme und die derzeitige Situation untersucht. Anschließend ließe sich über verschiedene Lösungen verhandeln. Deshalb halte ich einen Krieg weder als ersten, noch als letzten Lösungsansatz.

Verwendete Quellen:

1http://www.focus.de/politik/ausland/islamischer-staat/isis-terror-im-news-ticker-is-terrormiliz-toetet-mehr-als-16-irakische-grenzsoldaten_id_4314375.html

 

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Eine Antwort auf Krieg als letzte Lösung – oder gibt es eine Alternative zur Bekämpfung der IS-Terrormiliz?

  1. L sagt:

    Hallo Fastuki,
    Deine Einschätzung der IS-Terrormiliz sehe ich als sehr zutreffend an. Es ist eindeutig, dass
    das Problem an der „Wurzel“ beseitigt werden muss und auch deinen Blick in die Vergangenheit und auf die Entstehung des Problems erscheint mir als ein sehr guter Ansatz.
    Klar ist auch, dass ein Krieg zur Bekämpfung des Problems nicht die optimale Lösung ist und auch kaum jemand es auf diesen abgesehen hat, doch bin ich mir nicht sicher, ob es tatsächlich effektive Alternativen geben kann, so sehr wir uns das auch alle wünschen. Du bringst bereits viele Vorschläge an und ich denke, dass diese auch teilweise gute Ansätze beinhalten, doch denke ich nicht, dass der Vorschlag, den du weiter ausgeführt hast, durch die Reintegration der Sunniten in die Bevölkerung das IS-Problem zu beseitigen, umsetzbar ist bzw. zum gewünschten Ergebnis führen wird. Die Ansichten der Sunniten und Schiiten gehen stark auseinander und da die Sunniten die Glaubensrichtung der Schiiten strikt ablehnen, werden sie nicht die Absicht haben sich einer schiitischen Regierung unterzuordnen oder sich in eine schiitisch dominierte Gesellschaft zu integrieren.
    Selbst wenn wir davon ausgehen, dass die Reintegration der Sunniten möglich und umsetzbar ist, bin ich mir nicht sicher, ob dies eine Lösung des Problems sein wird. Klar ist der IS-Konflikt nur aufgrund der Meinungsverschiedenheiten der Sunniten und Schiiten und der Unterdrückung der Sunniten entstanden und auch als Ansatzpunkt zur Problemlösung scheint dieser Aspekt wichtig zu sein, da das Problem so an der „Wurzel“ angepackt wird. Trotzdem jedoch denke ich, dass das IS-Problem sich inzwischen weitgreifender entwickelt hat. Es geht schon lange nicht mehr darum, gegen die Unterdrückung der Sunniten zu kämpfen. Inzwischen hat sich der IS zu einem eigenen Staat entwickelt, der das Ziel hat sein Territorium immer mehr zu erweitern und die Mittel, mit denen sie dies zu erreichen versuchen ist allen bekannt. Zwar sind die meisten übrigen Sunniten trotz allem keine Befürworter des IS, aber dieser wird sich nicht von ihnen aufhalten lassen, weil sie plötzlich in die Bevölkerung integriert sind.
    Meiner Meinung nach stecken in einigen der von dir genannten Alternativen jedoch durchaus brauchbare Ansätze, welche sich vielleicht zu Problemlösungen ausbauen lassen.
    Liebe Grüße

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