Kanadas Rolle im Syrien Konflik

Donnerstag, 09.04.2015   07:21 Uhr Spiegel Online:

„Die kanadische Luftwaffe hat sich erstmals am Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) beteiligt: Zwei ihrer Kampfflugzeuge seien bei Luftangriffen der Anti-IS-Koalition in Syrien im Einsatz gewesen, teilte das Verteidigungsministerium des Landes mit.“

Um Kanadas Position gut zu verstehen, folgt ein kurzer Hintergrund zum Thema Syrien.

Der Syrische Bürgerkrieg ist eine Fortsetzung des arabischen Frühlings. Der arabische Frühling begann in Nordafrika, z.B. Tunesien, Ägypten und Marokko, wo junge Leute auf die Straße gegangen sind, um sich für mehr Freiheiten, politische Reformen, bessere Lebensbedingungen und die Demokratie einzusetzen. Manche Demonstranten haben sich dafür sogar angezündet, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Auch in Syrien kam es 2011 vermehrt zu Protesten. Unter den Demonstranten waren nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche, da auch diese sehr enttäuscht von der Regierung waren. Auslöser hierfür war u.a. die hohe Arbeitslosenquote unter Jugendlichen.Gemeinsam forderten sie den Rücktritt von Präsident Baschar al-Assad und ein Ende der Diktatur. 

Jedoch beugte sich Assad nicht, sondern ging brutal gegen die Demonstranten vor. Im Juli 2011 wurde daraufhin die sogenannte „Freie syrische Armee“ gegründet von ehemaligen Soldaten und einigen Demonstranten. Zum gleichen Zeitpunkt wurden Kinder in Daraa gefoltert, die regimekritische Slogans an Häuserwände gemalt haben sollen. Daraufhin gingen viele Bürger auf die Straße und forderten, dass Assad zurücktreten solle. Dies hatte weitere Verhaftungen und Folterungen zur Folge. Die geschilderten Vorfälle gelten als Auslöser für den seit Jahren andauernden Bürgerkrieg in Syrien. Dieses Chaos hatte 2013 die Terrormiliz IS (Islamischer Staat) ausgenutzt, die bis heute nach Macht streben und Syrien zusätzlich in Terror und Angst versetzen. Mittlerweile gibt es viele internationale Akteure mit unterschiedlichen Interessen, und noch ist kein Frieden in Sicht.

Das Problem verdeutlicht sich nach dem G7 Gipfel 2015, sie bedauern das Veto Chinas und Russlands im UN-Sicherheitsrat, mit dem der internationale Strafgerichtshof zu Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Assad-Regimes hätte aufgefordert werden können. Denn gemeinsam kamen sie zu dem Schluss, dass es für Assad keine Zukunft in Syrien geben wird, jedoch steht ihnen das Veto Recht im Weg. Und auch Kanada wird sich als festes Mitglied der UN nicht über ein Veto hinwegsetzen.

Kanada ist das zweit größte Land der Erde (zum Vergleich fast 30 mal größer als Deutschland) und liegt auf dem Nordamerikanischen Kontinent, nördlich von den Vereinigten Staaten von Amerika. In Kanada leben ca. 37.000.000 Menschen, welche momentan unter einer parlamentarischen Demokratie von dem Premierminister Justin Trudeau regiert werden. Sie sind Mitglied in der oben schon genannten UN und der Nato.

Auf einem Nato Gipfel am 05. September 2014 haben einige Nato-Staaten beschlossen, eine Allianz gegen die Terrormiliz IS zu bilden. An dieser Allianz ist auch Kanada beteiligt. Zu Beginn des Einsatzes gegen den IS hat sich Kanada an den Kampfhandlungen aktiv beteiligt. Stephen Harper war zu diesem Zeitpunkt der Premierminister, welcher auch die Luftangriffe auf den IS veranlasste, die zu der anfänglichen Eilmeldung führten. Ihm wurde damals eine Nähe zur Regierung der Vereinigten Staaten nachgesagt, mit denen sie sich gemeinsam an den Kampfhandlungen beteiligt habe. Jedoch wurde nach den Wahlen, einen Monat später, Justin Trudeau zum neuen Premierminister. Er versprach bereits im Wahlkampf, dass Kanada sich nicht mehr am Kampfeinsatz beteiligen wird und zusätzlich syrische Flüchtlinge aufnehmen wird.

„An alle Menschen, die vor Krieg und Terror flüchten, egal welchen Glaubens: Kanada heißt euch willkommen.“ Justin Trudeau

Trudeau ist seit dem 04.11.2015 im Amt und hat seine Haltung in einem Telefonat mit dem vorherigen Präsidenten der USA, Barack Obama, bestätigt. Jedoch sicherte Trudeau zu, sich weiterhin an der Bekämpfung der Terrormiliz IS zu beteiligen. Zur Unterstützung bildet Kanada irakische und kurdische Sichherheitskräfte aus, um diese in Syrien einsetzen zu können. Jedoch hat sich Kanada weiterhin, seit Harper, aus den aktiven Kampfhandlungen zurückgezogen.

Zum Einen vertritt Kanada die Meinung der westlichen Welt mit ihren Werten und schließt sich in vielen Punkten ihrem Nachbar USA an. Aber zum Anderen sind sie der Meinung, dass man nicht gleichzeitig versuchen sollte Syrien wieder aufzubauen und zur selben Zeit diese mit Luftangriffen zu bombardieren. Wichtiger ist es vorerst, Assad und den IS mit Mitteln vor Ort zu bekämpfen. Des Weiteren möchte sich Kanada nicht politisch gegen ihre Handelspartner (z.B. Russland) positionieren, da sie weiterhin auf ein gutes Verhältnis bauen. Außerdem wird sich Kanada nicht über die Beschlüsse der UN und Nato hinweg setzen. Welches ein Zitat Trudeau verdeutlicht:

“Canada knows that a peaceful world, a more resilient world, a more democratic world, is good for Canada, and it’s good for all of us, and that’s why we believe so deeply in NATO.  That’s why we stand so strongly with the trans-Atlantic alliance, and we’ll continue to step up everywhere we can.  We have been in every mission, not because of any other reason than we believe deeply in the values that we’re putting forward, and we know that NATO is as necessary now as it was in the height of the Cold War.  It’s as necessary now to promote the peace, security and strength of our true democracies and those democratic principles, which are under threat everywhere around the world, it seems.” Justin Trudeau

Doch weder die UN noch die Nato werden sich in Zukunft in Syrien einsetzen, denn die UN hat keine diplomatische Unterstützung durch die beiden Sicherheitsratsmitglieder China und Russland und die Nato bleibt bei der Meinung, dass die Situation mit Militär nicht verantwortungsbewusst gelöst werden kann.

 

Quellen:

Cieschinger, Almut et.al :http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-syrien-alle-wichtigen-fakten-erklaert-endlich-verstaendlich-a-1057039.html#sponfakt=14 veröffentlicht am10.08.2016, zuletzt zugegriffen am 22.11.2018

Geddes, John https://www.macleans.ca/politics/what-justin-trudeau-had-to-say-at-the-nato-summit/ veröffentlicht am 11.06.2018, zuletzt zugegriffen am 13.12.2018

Reuter, Peer https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/kampf-gegen-is-kanada-will-ziele-in-syrien-angreifen-13502517.html veröffentlicht am 24.03.2015, zuletzt zugegriffen am 13.12.2018

Reuter, Peer https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/amerika/wahl-in-kanada-trudeau-siegt-ueber-harper-13865785.html veröffentlicht am 20.10.2015,zuletzt zugegriffen am 13.12.2018

unknown (Eilmeldung vom Beginn) http://www.spiegel.de/politik/ausland/kanada-fliegt-erstmals-luftangriffe-in-syrien-auf-is-a-1027639.html veröffentlicht am 09.04.2015, zuletzt zugegriffen am 13.12.2018

unknown https://www.welt.de/politik/ausland/article138944924/Kanada-beteiligt-sich-an-Anti-IS-Mission-in-Syrien.html veröffentlicht am 31.03.2015, zuletzt zugegriffen am 13.12.2018

unknown https://www.t-online.de/nachrichten/specials/id_69723556/ansage-bei-g7-gipfel-es-gibt-fuer-assad-keine-zukunft-in-syrien-.html veröffentlicht am 06.06.2014, zuletzt zugegriffen am 13.12.2018

 

 

 

 

 

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