„Kampf der Kulturen“ – Huntingtons These revolutionär oder reine Pauschalisierung ?

Der internationale Terrorismus scheint dichter vor unserer Haustür stattzufinden, als je zuvor. In Zeiten in denen der IS sich wöchentlich mit neuen Exekutionen rühmt, Terroristen unter anderem einen Anschlag auf die Satire Zeitschrift „Charlie Hebdo“ verüben und währenddessen noch „patriotische“ Bürger auf die Straße gehen um gegen eine Islamisierung in Deutschland zu protestieren, lässt sich beobachten, dass sich das Feindbild des Islams immer mehr in die Köpfe der Menschen einprägt. Gleichzeitig trifft man immer öfter auf den Namen Samual Huntington. Dieser formulierte schon 1990 These zu der internationalen Konfliktpolitik „Kampf der Kulturen?“ und ist mit dieser, in der Welt der Sozialwissenschaften weltberühmt geworden. Doch was meint Huntington überhaupt mit seiner These?  Kann man diese These auf unser aktuelles Weltgeschehen beziehen und hat sie auch ihre Richtigkeit?

Zunächst sollte man den Begriff Kultur definieren, der die wichtigste Grundlage von Huntingtons These darstellt. Kulturen sind Kollektive, die sich ihre eigene Identität durch bestimmte Werte definieren, die für jede Kultur spezifisch sind, hierzu zählen z.B. Bräuche, die Sprache und auch durch die Religion. Die Werte werden durch Traditionen, wie z.B. Schriften oder der Kunst, an die nächsten Generationen weitergegeben und so werden die Kulturen durch ihre individuelle Geschichte geprägt.

Wichtig ist bei der Definition von Kultur, dass man zwischen den traditionellen und modernen Kulturbegriffen unterscheiden kann um die Komplexität zu erfassen. Denn heutzutage ist der traditionelle Kulturbegriff nicht mehr tragbar, weil unsere modernen Kulturen eine Transkulturalität anstreben. Dies bedeutet, dass die Kulturen nicht als statische Gebilde angesehen werden dürfen, sondern viel mehr ein ständiger Austauschprozess unter den verschiedenen Kulturen stattfindet. So kann man Kulturen auch nicht geographisch oder national betrachten, sondern sie sind viel mehr in einander verflochten, was unter anderem an der Globalisierung liegt.

Huntingtons These lässt sich in einigen Kernaussagen zusammenfassen. Nach der Auflösung des Ostblocks und dem Frieden zwischen Sowjetunion und den Westalliierten, sieht Huntington Mitte der 90er Jahre den nächsten Konflikt auf internationale Friedenspolitik zu kommen. Huntington behauptet, dass in den nächsten Jahren die westliche Vorherrschaft in allen Bereich, wie Ökonomie, zunehmend abnimmt und die asiatischen, sowie islamischen Länder nicht nur zu den westlichen Industriemächten aufschließen, sondern diese auch überholen werden. Die Länder im islamischen Raum sollen durch ihr starkes Bevölkerungswachstum mehr und mehr an Boden gut machen, sowie die asiatischen Großmächte durch ihr starkes wirtschaftliches Wachstum. Weiter ersetzt Huntington die bipolare Aufteilung durch eine Aufteilung, die sich in sieben große Kulturräume aufteilt. Zur Abgrenzung dieser, verweist er auf die Multikulturalität und stellt hier vor allem den Unterschied in den Religionen heraus. Ein weiterer Grund für Huntingtons klare Abgrenzung der Kulturräume, ist aus seiner Sicht die Indigenisierung, also die Abwendung von den westlichen Kulturen und der damit verbundenen Zurückführung auf die eigenen Werte. Ferner sieht Huntington den Konflikt zwischen den Kulturräumen vor allem an den Bruchlinien für unvermeidbar, wobei her hier auch den Konflikt zwischen dem „Westen“ und der islamischen Welt in den Mittelpunkt stellt.
Doch die Meinungen spalten sich über Huntingtons These. Die Einen feiern ihn als revolutionären Sozialwissenschaftler und gleichzeitig halten Andere seine These für zu allgemein gefasst und undifferenziert.

Zwar ist es schon eine lange Zeit her, für unsere schnelllebige Gesellschaft, seit Huntington seine These und den dazugehörigen Aufsatz veröffentlichte, doch es brauch nicht viel Mühe um auch heute noch geeignete Beispiele zu der These zu finden. Wenn man die neuste Ausgabe der Zeit in die Hand nimmt, muss sieht man schon auf einer der ersten Seiten betitelt: „ Islamischer Staat droht mit Anschlägen im Westen“(Zeit, 13. März 2015). Anhand dieses aktuellen Beispiels kann man sehr gut sehen, wie sich die These von Huntington auch auf unsere jetzige internationale Friedenspolitik anwenden lässt.

Doch Vorsicht! Eine Argumentation nach Huntingtons „Kampf der Kulturen“ lädt meiner Meinung nach, viel zu sehr ein zu pauschalisieren und das ist auch einer großer Kritikpunkt meinerseits an der These. Denn wie ich finde, differenziert Huntington in der Formulierung seiner These, viel zu wenig die großen Kulturräume. Er stellt auf die eine Seite die Moslems und auf die andere Seite die westlichen Staaten, vergisst aber hierbei aber, dass auch im islamischen Kulturraum keine vollkommende Einigkeit besteht, sondern auch hier eine Differenzierung zwischen dem sunnitischen und schiitischen Gruppierungen zum Vorteil wäre, da dies auch oftmals ein Zündstoff für Konflikte ist. Zudem spricht er immer von einem Konflikt zwischen den Kulturräumen, doch wie ich finde handelt es sich hierbei um einen kleinen nationalen oder fanatisch-terroristische Anteil der Bevölkerung der einen Konflikt provoziert, zumal oft die Religion, die Huntington noch als bedeutendstes Unterschiedsmerkmal dient, oftmals als Deckmantel von terroristischer Gruppierungen missbraucht wird, um deren eigentlichen Ziele zu verwirklichen. Diese eben angesprochene Konfliktbereitschaft ist eine weitere Folge der Pauschalisierung in den Kulturräumen, denn somit wird leicht in einem Gut und Schlecht bzw. Feind und Freund Raster gedacht. Die Folge daraus ist, dass schnell ein Feindbild entsteht, welches leicht zu Propagandazwecken genutzt werden kann und z.B. fanatische Gruppierungen in ihrer Reichweite noch bestärkt. Ein Beispiel für das Schaffen von Feindbildern ist die Pegida-Bewegung. Dies zeigt, dass eine Verallgemeinerung auf große Kulturräume schnell zu einem Ventil der Unzufriedenheit führen können.

Zum Abschluss kann ich sagen, dass man die These von Samual Huntington anfänglich zwar sehr gut auf unsere heutige Weltpolitik beziehen kann, wenn man aber in die Tiefe der These eintaucht entdeckt man, dass hierbei völlig außer Acht gelassen wird, dass unser moderner Kulturbegriff nicht mit den Aussagen Huntingtons vereinbar ist. Huntington bezieht seine These, auf die viel zu undifferenzierten Kulturräume und versucht so ein sehr komplexes Thema, unter anderem auch die Globalisierung, zu vereinfach, doch es bleibt bei dem Versuch.

Quellen:

http://www.zeit.de/2006/07/Huntington

http://www.sueddeutsche.de/politik/kampf-der-kulturen-wo-huntington-irrte-1.1753736

http://www.citizentimes.eu/2010/01/07/aktueller-denn-je-weil-direkt-vor-unserer-haustur/

http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/kulturelle-bildung/59917/kulturbegriffe

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