In wie weit waren die Supermächte an der Entstehung von al-Qaida beteiligt?

Das Jahr 1989 bleibt in der Politikgeschichte unvergesslich, nicht nur, weil die Wiedervereinigung Deutschlands in diesem Jahr statt fand, sondern auch aufgrund der Veränderung der internationalen politischen Verhältnisse, worin die Wiedervereinigung der Bundesrepublik einen Teil war. In diesem Jahr verließen die Militärtruppen der UdSSR Afghanistan mit einer Niederlage, die eher eine ideologische Niederlage als eine militärische war. Nach einem langen kalten Krieg zwischen dem Kapitalismus und dem Kommunismus bzw. ihren Vertretern den USA und der UdSSR schien dieser ein Ende zu haben, was sich zwei Jahre später mit dem Zerfall der Sowjetunion bestätigte. Während des Ost-Westkonflikts bildete sich eine Gruppe namens al-Qaida, die plötzlich nach dem Zerfall der Sowjetunion vor allem von den USA als die größte Terrorgruppe der Welt angesehen wurde. Ihr verstorbener Führer, Osama Bin Laden, war für die USA Jahre lang Staatsfeind Nummer 1. Durch den Anschlag vom 11. September 2001 auf die Zwillingstürme des World Trade Center in New York demonstrierte al-Qaida das wahre Ausmaß ihrer Drohung und die perfekte Umsetzung ihrer Methoden. All diese chronischen Ereignisse werfen die Frage auf, in wie weit die beiden Supermächte des 20. Jahrhundert in der Entstehung von Al-Qaida beteiligt waren? Im Jahre 1979 marschierten die Militärtruppen der Sowjetunion in Afghanistan ein, nach der Ermordung des Parteiführers der kommunistischen Volkspartei, Taraki. Die Volkspartei wurde in Afghanistan von der muslimischen Bevölkerung stark abgelehnt. Der Einmarsch der Sowjetunion führte die Entspannungspolitik in eine neue Phase des Ost-West-Konflikts, der durch die Aufrüstung der Sowjetunion vorangetrieben worden war. Reaktionär beschloss der Nato-Doppelbeschluss, sich dafür einzusetzen, die afghanische Bevölkerung mit Waffenlieferungen zu unterstützen, damit sie gegen die Besatzung der Sowjetunion resistent bleiben. Das Hauptziel der UdSSR war ganz offensichtlich, die geostationäre Lage Afghanistans für den kalten Krieg zu nutzen, in dem sie Afghanistan in einen Satellitenstaat verwandeln. Dies lässt sich aus der klaren Außenpolitik der Sowjetunion und USA in den Jahren des kalten Krieges ableiten, nämlich andere Länder und das Weltall für die Stationierung von Abwehrsystemen bzw. Spionage zu nutzen. Das beste Beispiel dafür ist das Jahr 1962, in diesem Jahr entdeckten amerikanische Aufklärungsflugzeuge russische Raketen auf der Insel, Kuba. Dies war eine drohende Entdeckung für die USA, deren Küste nur 200 km von Kuba entfernt ist. Dieses Ereignis führte zur Kubakrise, die mit einem Kompromiss zwischen den Präsidenten der jeweiligen Länder endete. Die offizielle Begründung der Sowjetunion für den Einmarsch in Afghanistan lautete, dass man den Frieden für die afghanische Bevölkerung wiederherstellen wolle. Als Reaktion auf den sowjetischen Einmarsch 1979 riefen islamische Guerillakämpfer zum Dschihad auf, um die sowjetischen Truppen aus ihrem Land zu vertreiben. Dies führte zur Entstehung der Afghan National Resistance-Bewegung, die letztlich die sowjetischen Truppen besiegte. Nicht nur Afghanen sind zum Kampf gezogen, der Konflikt zog auch junge Muslime aus der ganzen Welt an, vor allem Araber aus dem Nahen Osten. Unter diesen freiwilligen Kämpfer, die ,, afghanische Araber“ genannt wurden, war Osama Bin Laden, der Sohn eines reichen saudischen Geschäftsmanns, der damalige Führer von al-Qaida. Unter Ihnen waren auch der Ägypter Dr. Ayman al Sawahiri, ein Chirurg, Anführer des Ägyptischen Islamischen Dschihad und der jordanisch-palästinensische Dr. Abdullah Assam, der Vieles bezüglich dem Dschihad gegen die Sowjets verfasste. Jeder dieser drei Männer hatte andere Beweggründe und verfolgte langfristig andere Ziele. Assam appellierte an die afghanischen Widerstandsführer und Oppositionsgruppen, in dem er dazu aufrief, sich gegen den gemeinsamen Feind zu verbünden. Mit bin Laden zusammen richtete er eine Infrastruktur zur Rekrutierung von Freiwilligen ein. Bin Laden ergänzte ihn durch seine finanzielle Unterstützung hervorragend, gemeinsam gründeten sie das Maktab al-Khidmat- das ,, Afghanische Service Büro“ – das internationale Rekruten und Gelder in den Konflikt schleuste. Der erfolgreiche Widerstand der Freiheitskämpfer lässt darauf schließen, dass die amerikanische CIA mittels Geheimdienstfinanzierung und Waffenlieferungen dabei helfen konnte, die sowjetischen Truppen zurückzudrängen. Hillary Clinton, ehemalige US-Außenministerin in einem Interview auf ,,FOX NEWS“: ,, Um ehrlich zu sein, muss man zugeben, dass wir uns selber das Problem erzeugt haben, womit wir uns grad konfrontiert sehen. Wie? Ganz einfach. Als die Sowjetunion mit ihren Streitkräften in Afghanistan einmarschierte, hatten wir eine brillante Idee, im benachbarten Pakistan militante Einheiten der Islamisten zu organisieren, sie mit Raketen ,,Stingers“ und anderem Militärzeug auszustatten und sie zum Kampf nach Afghanistan gegen die Sowjetunion zu schicken.“ In einem weiteren Video auf Youtube kann man die Ankunft des damaligen Beraters der US- Präsidenten, Zbignew Brzezinski, in einem Trainingslager der Mudschahidin in Pakistan sehen. ER hielt eine Rede, in der er sagte: ,, Wir wissen wie tief euer Glaube an Gott ist und deswegen sind wir davon überzeugt, dass euer Kampf erfolgreich sein wird. Dieses Land in der Ferne gehört euch! Irgendwann werdet ihr dieses Land bekommen, weil euer Kampf erfolgreich sein wird und ihr bekommt eure Häuser und Moscheen wieder zurück! Denn ihr macht die rechte Sache und Gott ist an eurer Seite.“ All diesen Tatsachen zeigen die Position der USA und deren Programm im Afghanistankrieg, nämlich, die Mudchahidin gegen die Sowjetunion zu instrumentalisieren. Die USA erkannten die enorme Wichtigkeit dieses Potentials und reagierten demgemäß. Dies funktionierte einerseits, weil die USA plangemäß die Sowjetunion durch die Mudschahidin schwächte und somit den kalten Krieg gegen das Ende lenkte, anderseits schien die USA ein großes Problem zu haben, denn aus dem von Bin Laden und Assam gegründeten ,, Dienstleistungsbüros“ ging eine Gruppe ,,al-Qaida“ hervor, die sich nach dem erfolgreichen Einsatz in Afghanistan neue Ziele vorgenommen hat. Im Gegensatz zu der meist verbreiteten und dokumentierten Auffassung, Osama Bin Laden sei der Gründer von al-Qaida, scheint sich die Fachliteratur weitgehend einig zu sein, dass al-Qaida von Assam in Leben hervorgerufen wurde. Nach dem Tod von Assam im Jahre 1989 übernahm Bin Laden die alleinige Führung der Gruppe. Die Zentrale der al-Qaida etablierte sich dann im Sudan, wo Bin Laden gute Beziehungen zur im Land regierenden Partei, National Islamischen Front, pflegte. Aufgrund von internationalem Druck kehrte Bin Laden im Jahre 1996 nach Afghanistan zurück, wo al-Qaida sich mit Taliban verbündete. Über die Ziele von al-Qaida herrschen verschiede Meinungen, einige behaupten al-Qaida sei nicht ideologisch motiviert, andere sind der Meinung, sie sei auf Ursprünge des Wahabismus zurückzuführen, während einige behaupten, einige Menschen behaupten sie kooperiere mit dem amerikanischen Geheimdienst. Um ihre Ziele genauer durchblicken zu können und um eine rational begründete Aussage darüber zu fällen, in wie weit die USA auf al-Qaida Einfluss habe, soll man die aktiven Handlungen von al-Qaida in der politischen Welttribüne betrachten und prüfen in wie weit sie mit den außenpolitischen Zielen der USA kompatibel sind. Im August 1996 verhängte Bin Laden eine Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten,, mit dem Titel, Erklärung des Dschihad gegen Amerikaner, die das Land der Zwei Heiligen Moscheen besitzen, damit hat er einen Verteidigungskrieg gegen die amerikanische Regierung, insbesondere das US-Militär. Dies machte er in einem CNN Video deutlich: ,, Wir haben unsere Erklärung darauf gerichtet, aus die US-Soldaten in Saudi-Arabien zu zielen. ….. Auch wenn amerikanische Zivilisten in unserem Plan nicht im Visier stehen, müssen sie gehen. Wir garantieren nicht für ihre Sicherheit.“ Im November 1995 übte al-Qaida einen Bombenanschlag in der saudischen Hauptstadt, Riad, wo 5 amerikanische Soldaten ums Leben gekommen sind. Im Juni 1996 starben durch einen von al-Qaida organisierten Bombenanschlag in Saudi-Arabien 19 Soldaten verschiedener Nationalitäten. Im Jahre 1998 kam eine neue Fatwa von Bin Laden, in der stand:,, Seit sieben Jahren besetzt Amerika das Land der zwei heiligen Stätten…..und macht aus seinen Militärbasen auf der Halbinsel Speerspitzen im Kampf gegen benachbarte muslimische Völker. Es gibt keinen eindeutigeren Beweis als die exzessiven Aggressionen Amerikas gegen die irakische Bevölkerung…..Trotz der über eine Million zählenden Opfer aus dem Irak…. sind sie mit den langfristigen Sanktionen nicht zufrieden.“ All diese Rechtsgutachten vor dem 11.Semptember zeigen, dass al-Qaida einen Verteidigungskrieg gegen die USA vorhatte. Die Maßnahmen dieses Verteidigungskrieges lauteten, die amerikanische Sicherheit zu terrorisieren. Das Potential mehr als dies zu schaffen war der al-Qaida und ihrem Führer, Bin Laden, klar, denn um ideologische Ziele durch militärischen Einsatz umzusetzen, benötigt man unabhängige Waffenproduktion, die nur in einem Industrieland möglich ist. Die Sowjetunion und die USA mit ihrer selbsterklärten Rolle als Weltpolizei verschufen die perfekte Umgebung für die Entstehung von al-Qaida. Wäre aber die al-Qaida ohne Unterstützung der Amerikaner entstanden? Das wahre Motiv für das Zusammenkommen von Freiheitskämpfer, die al-Qaida ausmachten, war der Afghanistankrieg. Einerseits haben die USA durch ihre Waffenlieferung die Freiheitskämpfer stark unterstützt, anderseits erhielt die al-Qaida große finanzielle Unterstützung von Bin Laden. Der wichtigste Faktor in der Entwicklung von al-Qaida war die Waffenlieferung der Amerikaner, denn Taliban haben keinen direkten Zugang dazu. Deswegen kann man sagen, dass die Entstehung von al-Qaida ohne Unterstützung von den USA plausibel ist, jedoch ihre Entwicklung wäre unwarscheinlich.

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