Gefährdet der Informationskrieg die Internationale Friedenssicherung?

 

Schon seit langer Zeit werden in Kriegssituationen Propaganda und falsche Informationen als Methoden und Mittel der Kriegsführung genutzt. Dadurch lässt sich Stimmung innerhalb der Bevölkerung machen und bestimmte Ansichten lassen sich leicht verbreiten, was für den Kriegsverlauf ausschlaggebend sein kann. Heutzutage nehmen diese Kampagnen im Kriegsgeschehen jedoch einen weitaus größeres Außmaß ein und können für den Erfolg im Krieg sogar entscheidender als herkömmliche Waffen sein.

„Kriege gewinnt nicht, wer mehr Waffen besitzt. Kriege gewinnt, wer die Informationen steuert“, schrieb die ZEIT am 23.2.2017. Dies lässt sich an vielen Beispielen von aktuellen Konflikten bestätigen. Beim Besuch des ukrainischen Ministerpräsidenten am 7. Januar 2015 gab es von russischer Seite eine großflächige Cyberattacke auf die Bundesregierung. Diese führte zu einer Überforderung der deutschen Rechner. Es handelte sich um eine Demonstration von Stärke, wodurch die finanzielle Unterstützung der Ukraine verhindert werden sollte.  Bei der Durchführung solcher Attacken werden häufig sogenannte Bot-Netze genutzt, welche aus mehreren tausend vireninfizierten Computern weltweit bestehen. Diese werden dann von Hackergruppen ferngesteuert und zur Durchsetzung der eigenen Interessen eingesetzt.

Obwohl die deutsche Regierung versucht, sich immer besser gegen diese Art des Angriffs zu schützen, ist es schwer, die Bedrohung einzuschätzen, da die Netze sehr schnell wachsen. Auch die Art des eigentlichen Angriffs ist schwer einschätzbar, denn die Technologien entwickeln sich ständig weiter.

Neben den Bot-Netzen gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten, einem Land und seiner Regierung mithilfe von „Cyberwaffen“  zu schaden. Eine Methode, die schon in vielen internationalen Konflikten eingesetzt wurde, ist das gezielte Ausspähen von Staatsgeheimnissen oder vertraulichen Informationen. Dadurch kann beispielsweise eine Wahl beeinflusst werden. So wurden kurz vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl geschäftliche E-Mails von Hillary Clinton veröffentlicht, welche sie über einen privaten Server verschickt hatte. Dies löste eine große Empörungswelle innerhalb der Bevölkerung aus und hatte möglicherweise  Einfluss auf das Wahlergebnis.

Des Weiteren werden gezielte Falschmeldungen, sogenannte „Fake-News“, als Mittel im Cyberkrieg verwendet. Als „Fake-News“ bezeichnet man Nachrichten, welche die Wahrheit so weit verdrehen, dass die Aussage eine andere ist. Teilweise handelt es sich auch um komplett erfundene Meldungen, meist enthalten sie jedoch ein Stückchen Wahrheit. Dadurch, dass diese gegenseitig von verschiedenen unseriösen Nachrichtenportalen geteilt werden, erscheinen diese glaubhafter und erreichen einen größeren Teil der Bevölkerung. Für viele Menschen wird es dadurch schwierig, „Fake-News“ von seriösen Berichterstattungen zu unterscheiden. Dazu kommt, dass diese Berichte teilweise auch in den traditionellen Medien diskutiert werden und diese daher unbeabsichtigt ein noch größeres Publikum erreichen.

Zwar hat es schon immer Falschmeldungen in den Medien gegeben und Journalisten waren nie fehlerfrei. Allerdings sind „Fake-News“ etwas anderes, denn die Herausgeber nutzen gezielt die Funktionsweise der sozialen Netzwerke, um Unsicherheit zu schaffen und eine bestimmte Stimmung zu verbreiten. Die Nutzer können dort jederzeit ihre Meinungen verbreiten und austauschen, wodurch sich Reizthemen besonders leicht instrumentalisieren lassen. Ein weiteres Mittel, „Fake-News“ zu verbreiten, sind Social Bots. Dies sind automatisch generierte Profile, welche häufig nicht als solche zu erkennen sind. Mit ihrer Hilfe werden Falschmeldungen geteilt und gezielt Stimmung gemacht. Dadurch wirkt es auf die Nutzer, als würden sehr viele Menschen einer bestimmten Meinung zustimmen, obwohl es in Wirklichkeit gar nicht der Fall ist. So wirken „Fake-News“ auch zusätzlich glaubhafter.

Auch Angriffe auf die Infrastruktur können Teil des Cyberkriegs sein. So können zum Beispiel Wasser- und Atomkraftwerke oder die Stromversorgung angegriffen werden, wodurch das tägliche Leben und die Stabilität im Land bedroht sind.

Allerdings besteht dabei ständig das Problem, dass häufig nicht nachvollziehbar ist, von wem der Angriff wirklich ausgeht. „Was Cyberangriffe für ausländische Mächte so sexy macht, ist, dass man eigentlich nie eine smoking gun finden wird, man kann immer wieder falsche Fährten legen und unter falscher Flagge operieren“,  sagt Verfassungschutzchef Hans-Georg Maaßen. Im Internet ist es leicht, anonym zu operieren. Außerdem werden die eigentlichen Angreifer meist von anderen Akteuren beauftragt, was es noch schwieriger macht, den Verantwortlichen zu finden.

Auch eine Bestrafung der Täter ist somit nicht oder kaum möglich. Selbst wenn man den Verantwortlichen kennt, kann man ihn auf Grund nicht vorhandener Beweise nicht zur Rechenschaft ziehen. Außerdem gibt es bisher kaum rechtliche Regelungen, welche solche Angriffe einschränken. Darüber hinaus könnten Maßnahmen gegen „Fake-News“ die Meinungsfreiheit einschränken.

Daher ist es sehr schwer, zu beurteilen, wie mit Cyberangriffen umzugehen ist. In den nächsten Jahren muss der Umgang mit diesen Angriffen durch wachsende Erfahrung wohl noch etabliert werden und es müssen vermehrt Regelungen gefunden werden.

Insgesamt ist erkennbar, dass der Cyberkrieg Unsicherheit schafft und so Angst verbreitet. Dadurch könnte es zu vermehrtem Aufrüsten und Wettrüsten zwischen den Staaten kommen, was schlimmstenfalls zu einem Sicherheitsdilemma führen kann. Durch das Aufrüsten wird dann keine Sicherheit geschaffen, sondern noch mehr Unsicherheit und Bedrohung verbreitet. Des Weiteren werden so auch die Handlungsmöglichkeiten der UNO in der internationalen Friedenssicherung eingeschränkt, da sich meist keine Beweise gegen den Täter finden lassen. Dies könnte die UNO bei der Bevölkerung wiederum machtlos erscheinen lassen. Dies könnte zu einem vermehrten eigenständigen Handeln der Staaten führen, womit die Weltordnung anarchistische Züge annähme.

Der Informationskrieg gefährdet daher unserer Meinung nach deutlich die internationale Friedenssicherung. Die UNO ist ein gutes Mittel, um Konflikte mit Hilfe von Kommunikation zu lösen. Beim Informationskrieg hingegen wird nicht direkt kommuniziert, weshalb Probleme nicht gelöst werden und leicht ausarten können. Dies macht den Informationskrieg so gefährlich und schwer zu bekämpfen.

 

Quellen:

Kai Biermann und Arndt Ginzel: Krieg ohne Blut.  ZEIT;  23.2.17 http://www.zeit.de/2017/09/bundestagswahl-fake-news-manipulation-russland-hacker-cyberkrieg  Letzer Zugriff:3.5.17

22.11.16 http://www.europarl.europa.eu/news/de/news-room/20161118STO51750/informationskrieg-wie-gegen-propaganda-vorgehen-interview-mit-anna-fotyga  Letzer Zugriff:3.5.17

Marcus Mohr: Studienseminar: Journalisten unter Druck.   https://www.baks.bund.de/de/aktuelles/studienseminar-journalisten-unter-druck  Letzer Zugriff:3.5.17

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Eine Antwort auf Gefährdet der Informationskrieg die Internationale Friedenssicherung?

  1. lawu sagt:

    Hallo Paula,
    Ich habe deinen Artikel gelesen und mir hat es sehr gefallen wie du deine Fragestellung anhand strukturierter Beiträge beantwortet hast. Du hast viele Beispiele genannt an denen zu erkennen ist, wie durch neue Methoden versucht wird in einen Staat einzugreifen. Ich fand es ebenso spannend, zu wie viele verschiedene Methoden von neuen Waffen gegen einen Staat du berichtet hast. Ich denke vielen Menschen ist die Bedrohung durch solche Waffen nicht bewusst, da diese Art von Attacken ja noch recht neu ist. Man konnte deinen Artikel leicht verfolgen und Zusammenhänge wurden gut erklärt. Ich finde es ist dir ebenso besonders gut gelungen darzustellen, wie bedrohlich ein Cyber-Angriff für ein Land sein kann. Dabei ist es wichtig darauf einzugehen, dass nicht viel gegen solche Cyber-Angriffe getan werden kann, da die Täter kaum auffindbar sind.

    Eventuell hättest du darauf eingehen können, wie Staaten versucht haben sich dagegen zu schützen und ob neue Methoden in Arbeit sind, die Daten eines Staates besser zu schützen. Aber es kann natürlich auch sein das keine Informationen darüber bekannt gegeben werden.

    Zusammenfassend kann ich sagen das dein Artikel wirklich gelungen ist und das Einbringen deiner eigenen Meinung dem Artikel ein schönes Ende gegeben hat.
    Liebe Grüße,
    LaWu

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