Drohnenkrieg – chirurgische Präzision?

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Chirurgische Präzision“- 1 toter Terrorverdächtiger , contra 28 toten Zivilisten – Drohnenkrieg der USA in Pakistan

Ein Zischen, ein Knall – Schreie, Blut, Tränen. Ob die Menschen Angst haben? Natürlich haben sie Angst… Am meisten betrifft es die Kinder. Bei jedem Zischen zucken sie zusammen. Man sieht die Angst in ihren Augen. Angst vor den Taliban? Ja. Angst vor dem IS? Ja. Angst vor Selbstmordattentätern? Ja. Angst vor den Drohnen? Am allermeisten. In Pakistan wüten nicht nur Selbstmordattentäter, oder Steinzeitterroristen, nein auch die Drohnen der USA tun es. Laut einer der wenigen genauen Statistiken, bereitgestellt durch die Menschenrechtsorganisation „Reprieve“ kommen auf einen getöteten Terrorverdächtigen, 28 tote Zivilisten. Mitarbeiter der US-Regierung sprechen trotzdem von chirurgischer „Präzision“.

Seit mittlerweile mehr als 10 Jahren nutzen die Amerikaner Drohnenangriffe um unter anderem in Pakistan „gezielt“ vermeintliche Islamisten bzw. Terroristen zu eliminieren, sprich zu töten. Ob die Zielpersonen Terroristen sind, das bestimmen die Amerikaner selber. Normalerweise würde man lediglich von „Beschuldigten“ bzw. „Verdächtigen „ sprechen. Infos zu den Zielpersonen werden dabei meist direkt aus den Dörfern, mittels amerikanischen Ermittlern und Beamten, bezogen. Sprich, wenn ein Dorfbewohner erzählt, dass in seinem Nachbarhaus ein Terrorist sein Unwesen treibt, dann wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, eben dieses Haus, Ziel einer Drohne sein. Ob in diesem Haus noch weitere Personen leben und ob man mit hundertprozentiger Sicherheit sagen kann, dass der liebe Nachbar ein Terrorist ist, gerät hier zur Nebensache. Das wir hier von sehr fragwürdigen Methoden sprechen, sollte glaube ich jedem klar sein.

Richten wir nun gezielt den Blick nach Pakistan. Schon seit Jahrzehnten hat Pakistan mit innerländlichen Konflikten, zwischen verschieden Volksgruppen zu kämpfen. Ein fruchtbarer Nährboden für radikale Terrorgruppen wir Al – Qaida oder den IS. Das Pakistan ein Problem mit Fundamentalisten und terroristischen Anschlägen hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Um dieses Problem zu minimieren, schaltet sich schon 2003 die US- Regierung ein und verhandelte mit der pakistanischen Regierung über ein Programm, welches ermöglichen sollte, gezielt Terroristen und vor allem die Führungspersonen, die sich in Pakistan aufhalten zur Strecke zu bringen. Im Juni 2004 wird dann in Pakistan die erste Zielperson der USA getötet. Von Beginn an ist der Auslandgeheimdienst der USA, kurz „CIA“ (Central Intelligence Agency) für die Drohnenoperationen verantwortlich. Das Drohnenprogramm wird Anfang 2004, mit der pakistanischen Regierung in Islamabad beschlossen. Allerdings ahnt die pakistanische Regierung zu diesen Zeitpunkt noch nicht welche Ausmaße das Ganze nehmen sollte… Das Programm steht zuerst unter der Führung George W. Bush, seit 2009 steht es unter der, von Barack Obama. Das Töten von Zivilisten, oft auch Kindern, beginnt demnach mit Bush und wird nahtlos mit dem Friedensnobelpreisträger Obama fortgesetzt… Bin ich eigentlich der Einzige, der diese bittere Ironie spürt?

Genaue Statistiken bzw. Angaben über die bisher getöteten Zivilisten in Pakistan sind nicht zu finden. Im Prinzip kann niemand genaue Angaben zu der Zahl machen. Hier fällt auf, dass sowohl die pakistanische, als auch die amerikanische Regierung, kaum bis gar keine Angaben tätigen. Die Gesamtopferzahl in Pakistan zwischen Juni 2003 und Dezember 2013 liegt bei ca. 2300. Im März 2012 hält sich der UN-Beauftragte Ben Emmerson in Pakistan auf. Auf Nachfrage bei der Regierung bzw. dem Außenministerium wie viele tote Zivilisten den Drohnen bisher zum Opfer gefallen sind, wird zuerst eine Zahl von 400-600 angegeben. Ganz anderer Meinung sind unter anderem der Publizist Jürgen Todenhöfer, sowie das Londoner Büro gehen dagegen von deutlich mehr zivilen Opfern aus. Laut dem Londoner Büro sind es ca. 1000 bis Ende 2013. Darunter ca. ein Fünftel Kinder. Ich kriege Gänsehaut, wenn ich höre, dass so viele unschuldige Kinder, die noch ihr ganzes Leben vor sich haben, schon so früh ihr Leben lassen müssen. Alleine seit 2009 sind unter Obamas Führung mehr als 330 Drohnenangriffe ausgeführt worden. Die Dunkelziffer bei den Opfern den Opfern dieser Angriffe liegt wahrscheinlich deutlich höher. Wenn ich mir diese Zahlen so ansehe, stellt sich mir natürlich die ganze Zeit eine wichtige Frage… Was sagt der liebe Obama denn zu alledem?! Nun ja, sagen wir mal so, er hält sich bedeckt. In den wenigen Sätzen die er zu diesem Thema rausbekommt spricht er davon, dass diese Angriffe „präzise“ und natürlich „lange überlegt sind“. Wenn der Puls bei mir bis nicht eh schon bei 180 war, knackt er ganz sicher die 200, als ich lesen muss, dass der liebe Friedenengel allen Ernstes erzählt, dass es bei den Angriffen nur zu Begleitschäden kommt. Wenn man von Begleit-, oder auch Kollateralschäden spricht, dann heißt dies automatisch wenige zivile Opfer. Jedem Menschen, bei dem man auch nur ein Funken Hirnmasse im Schädel vorfinden kann, sollte klar sein, dass diese Aussage bei wahrscheinlich weit mehr als 1000 Toten Zivilisten und abertausenden Verletzen in ca. 11 Jahren, kompletter Humbug ist!. Solche Aussagen machen Obama für mich keinen Funken anständiger, als den Kriegstreiber George W. Bush. Ein kleiner Blick auf die pakistanische Regierung darf allerdings auch nicht fehlen. Die legt sich zwar immer wieder mit Obama oder dem US-Außenminister John Kerry an und hat es auch geschafft, dass die Amerikaner ihre Drohnenangriffe ein wenig Minimiert. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Bekämpfung radikal-islamischer Gruppen und vor allem die Tötung von den Führungspersonen dieser Gruppen eine höhere Priorität hat als Teile der Zivilbevölkerung vor dem Tod oder schlimmsten Verstümmelungen zu schützen. Ein toter Terrorverdächtiger ist also wichtiger als 28 Familien der getöteten Angehörigen. Manchmal fehlen einem einfach die Worte…

Egal wie viele Filme, Interviews oder Zeitungsartikel ich sehe, zu keiner Zeit kann ich auch diesem verflixten Drohnenprogramm irgendetwas Positives abgewinnen. Natürlich mag ich keine Terroristen, egal welcher Sorte. Doch wer gibt mir überhaupt die Gewissheit, dass diese Terrorverdächtigen überhaupt Terroristen sind?! Natürlich gibt es eindeutige Fälle, wo es klar ist, dass ein Terrorist „eliminiert“ wird. Doch diese klaren Fälle sind meiner Meinung nach immer noch gering. Und überhaupt, muss ich es gut finden das ein demokratisches Land wie die USA, Menschen einfach tötet, ohne das diesen ein Gerichtsverfahren zugestanden wird. Nein, sowas kann ich einfach nicht gutheißen. Schon gar nicht von einem demokratischen Land. Abgesehen davon, denke ich, dass eine gezielte Überwachung der Zielpersonen bzw. Verdächtigen in den meisten Fällen schlimmeres verhindern kann. Natürlich kann es auch bei solchen Überwachungen, immer wieder Rückschläge geben (siehe Überwachung der Islamisten in Paris), trotzdem halte ich diese Methode für deutlich humaner. Ich denke, dass man mit der Bombardierung von Terrorverdächtigen und gleichzeitigen, massenhaften töten von Zivilisten, ganz egal ob in Pakistan, oder beispielsweise Jemen, keine Probleme löst. Im Gegenteil, man verschärft sie nur! Tote Kinder oder Frauen, sind ein Nährboden für viel, viel Hass innerhalb der Bevölkerung eines betroffenen Landes. Und was entsteht unter anderem aus Hass, vielleicht sogar blinden Hass? Richtig, radikale Ansichten und damit wiederum fruchtbarer Nährboden für die Rekrutierung neuer Mitglieder, für verschiedenste Terrorgruppen! Ich stelle mir einen jungen Mann vor, nennen wir ihn Kemal. Kemal ist 18 Jahre alt und hat bei einem Drohnenangriff seine Eltern verloren. Sein Haus wurde auch zerstört. Geschwister hat er nicht. Seine engsten Bezugspersonen von den Amerikanern getötet. Nun kommt ein Islamist in sein Dorf und spricht mit Kemal. Was glaubt ihr wie einfach es sein wird, diesen jungen Menschen, der gerade quasi alles in seinem Leben verloren hat, davon zu überzeugen unter anderem gegen das Land, welches für den Tod seiner Eltern verantwortlich ist, zu kämpfen. Dies kann nicht das Ziel der USA und auch von keinem anderen Land sein, wenn es sich zur Aufgabe macht, Terrorismus zu bekämpfen.

Für mich ist klar, dieser Drohnenkrieg ist absolut falsch, völkerrechtlich äußerst fragwürdig (Töten ohne zivilen Prozess) und menschenverachtend. Kein einziger toter Terrorist ist es wert, wenn dafür zigtausende unschuldige Menschen sterben! Ich kann diesem Projekt nicht einen Funken Positives abgewinnen und werde dies auch niemals tun!

Quellen: https://www.google.de/search?q=drohnenkrieg+usa+in+pakistan&biw=1024&bih=606&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=s6MJVd2YOozsO-qhgcAL&ved=0CAgQ_AUoAw#tbm=isch&q=drohnenangriff

http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-10/drohnen-usa-pakistan-emmerson

http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-07/geheimpapier-drohnen-angriffe-pakistan-zivilisten-kinder

http://www.tagesspiegel.de/politik/us-drohnenangriffe-in-pakistan-der-ungleiche-kampf/8970772.html

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Eine Antwort auf Drohnenkrieg – chirurgische Präzision?

  1. Dornröschen sagt:

    Hallo Liebe/r Rox,

    Ich finde deinen Artikel zum Thema Drohnenkrieg chirurgische Präzision sehr informativ und interessant. Ich entnehme deinem Text das du der Ansicht bist das durch den Drohnenkrieg das Problem Terrorismus in keiner weise vermindert wird sondern im Gegenteil dadurch deutlich mehr Probleme enstehen als es eigentlich sollten. Außerdem sagst du das ein demokratisches Land wie die USA, so etwas nicht für gutheissen kann es aber wiederum durchzieht, weil sie der Meinung sind das wenn man Führungspersonen der Radikal-Islamischen Gruppen töten lässt, der Terrorismus ein Ende haben wird. Was aber wie oben angedeutet genau das Gegenteil bewirkt.

    Ich stimme dir eigentlich überall zu, denn ich finde auch das wenn ein Dorfbewohner erzählt das in dem Nachbar Haus ein Terrorist sein Unwesen treibt und dieser dann durch einen Drohnenangriff getötet wird und dabei vielleicht noch weitere Menschen,das das etwas ist was ich absolut nicht gutheissen kann weder noch verstehen will. Das ist einfach absurd.
    Außerdem wie du schon in deinem Artikel erwähnt hast, wer weiß ob der Dorfbewohner die Wahrheit erzählt? Ja Niemand, und genau das ist das schlimme daran, man kann doch niemanden töten nur weil ein daher gelaufener Dorfbewohner erzählt es sei ein Terrorist. Wahrscheinlich hat dieser das wiederum von einem anderen Bewohner gehört und der wiederum von seinem Nachbarn. Da ist absolut keine Glaubwürdigkeit doch sie handeln trotzdem. Doch solange man keine Gewissheit hat kann man nicht einfach jemanden töten. Außerdem wie in dem Artikel erwähnt finde ich ebenfalls das wenn man keine Gewissheit darüber hat ob jemand ein Terrorist ist und dann trotzdem den Menschen tötet, man deutlich mehr Terrorismus riskiert und auslöst. Denn durch solche falschen Einschätzungen kann viel Hass in einer Bevölkerung eines Landes enstehen. Das wiederum ist neuer „Nährboden“ (wie du so schön sagst) für neue Mitglieder verschiedenster Terrorgruppen. Ich sehe das ebenso wie du das man dadurch einfach keine Probleme löst sondern sie verschlimmert oder sogar neue auslöst! Eigentlich sollte der Friedensnobelpreisträger Obama gegen solche Drohnenangriffe sein doch dieser unterstützt diese Angriffe was ihn für mich persönlich sehr unmenschlich darstellt. Klar bin ich auch gegen Terroristen, doch bei Tötung solcher Menschen, unschuldige mit in das grab zu nehmen und dadurch Terrorgruppen wachsen zu lassen oder schlimmere Angriffe zu riskieren, finde ich einfach furchtbar. Ich finde allerdings das die Drohnen als Überwachung von Zielpersonen (die vermutliche Terroristen sein könnten) sehr hilfreich sein können denn somit verschafft man sich einen überblick und hat Gewissheit ob es sich wirklich um Terroristen handelt. Ebenso kann diese Überwachung vielleicht schlimmeres verhindern.Und wenn man dann meint der Terrorist muss getötet werden dann sollte man wenigstens mit einem Drohnenangriff umgehen können und keine unschuldigen Menschen umbringen.
    Abschließend lässt sich für mich sagen das ich dir zu stimme und deinen Artikel sehr gelungen finde. Drohnenangriffe sind für mich ein falsches vorgehen gegen Terroristen. Doch in der Hinsicht Terroristen aufzufinden in dem man Zielpersonen überwacht finde ich nützlich. Trotzdem sind Drohnenangriffe um Terroristen zu töten für mich sinnlos wenn dabei tausend unschuldige Menschen sterben müssen.

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