Der Syrienkonflikt aus der Sicht von Jordanien

Jordanien ist eine Monarchie, theoretisch konstitutionell, im Nahen Osten. Im Norden grenzt das Land direkt an Syrien, außerdem im Westen an Israel, im Süden an Saudi-Arabien und im Osten an den Irak. Damit besetzen sie geographisch eine Schlüsselposition im Nahostkonflikt um Syrien. Der König ist Abdullah II (seit 1999 im Amt), welcher basierend auf seinem Vorgänger Hussein, der Friedensnobelpreisträger war und vor 25 Jahren ermordet wurde, eine klar prowestliche Außenpolitik vertritt. 2001 schloss er ein Freihandelsabkommen mit den USA und 2002 ein Assoziierungsabkommen mit der EU. Ein riesiger Meilenstein für die Friedenssicherung im Nahen Osten war der Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien, was für Stabilität beider Länder sorgte und das Konfliktpotenzial durch Verbündete ungemein eindämmte. Seitdem ist Jordanien der engste Verbündete vom Westen und steht als wichtiger Angelpunkt für Eingriffe des Westens im arabischen Raum zur Verfügung. Auch wirtschaftlich sind sie direkt an die EU als größten Handelspartner gebunden und sind somit einerseits immensem Druck in ihrer Region als einzige Westsympathisanten, als auch internationalem Druck durch wirtschaftliche und politische Bindungen zum Westen an diese und deren Macht gebunden. Eigene politische Ansichten zu verfolgen stieß somit in der Vergangenheit immer wieder auf starke Kritik bei einer der beiden Parteien und bei deren jeweiligen Alliierten.

Zurzeit äußert sich der Syrienkonflikt in Jordanien primär durch die immensen Flüchtlingsströme, von denen über die Zeit mehr als 1,2 Millionen Syrer versuchten in Jordanien um Asyl zu bitten. Die aktuellen Flüchtlingszahlen zu beurteilen ist schwierig, man findet Zahlen zwischen 100.000 und mehr als 600.000 ansässigen Syrern auf jordanischem Boden.

Die Situation zwischen Syrien und Jordanien ist angespannt, jedoch nicht sehr wahrscheinlich zu eskalieren. Die Kooperation mit dem Irak im zweiten Golfkrieg brachte erste Außenpolitische Ungereimtheiten zwischen die beiden Länder. Auch das enge Verhältnis zu Israel spaltet sie von der Sympathie Syriens ab, die Unterstützer der Todfeinde Israels, den Palästinensern sind. Auch die Palästinenserorganisationen PLO und Hamas  wurden zeitweise in Jordanien von der Regierung verboten, wodurch sie sich einen direkten ethnischen Konflikt mit den staatenlosen Palästinensern und Syrien hatten, was weiteres Salz in die Wunde streute. Der größte Spalt entstand jedoch bei der direkten Unterstützung der USA im dritten Golfkrieg. Jordaniens Regierung ist zwar stark um Ausgleich zwischen den Regionen und jeweilige Wiedergutmachung bemüht, jedoch ist es selbstredend, dass Jordanien sich in einer solchen politischen Situation immer Feinde machen wird, grade im religiös, ethnisch und politisch gespaltenem Nahost, wo jeder andere Absichten verfolgt und sich kein Land nur durch einen politischen Sichtwinkel betrachten lässt.

Beide Länder sind stark bewaffnet und militarisiert. Auf dem GMI (Global Militarization Index) lag 2013 Jordanien auf Platz 5, Syrien auf Platz 3. Ab 2014 distanzierte sich Syrien jedoch von jeglichen offiziellen Angaben, unter anderem waren die militärischen Ausgaben auch nicht mehr in Relation zum BIP und Gesundheitsausgaben zu setzen, da nicht vorhanden. Somit sind beide Staaten stark militarisiert und bewaffnet, was sie sich in einem negativen Friedenszustand zueinander befinden lässt, und ein Angriff des Einen auf den jeweils anderen verheerende Ausmaße haben würde. Die Streitkräfte Jordaniens gelten als mit die besten der Welt und wurden bereits in damaligen Kriegen eingesetzt, sind jedoch vor Allem zur innerpolitischen Machterhaltung des Königs im Dienst. Zudem verfügt die Regierung über viele Waffen, von handlichen bis zu schweren Boden-Luft Raketensystemen. Syrien ist politisch sowieso gespalten, hat aber eine skrupellose Armee um Assad und zudem viele schwere Raketensysteme. Die größte Sicherheit Jordaniens ist jedoch ihre direkte Verbindung und Kooperation mit westlichen Ländern, die bei einem Angriff auf Jordanien sofort zur Stelle wären, einmal um ihren direkten und einzigen Verbündeten im Nahen Osten unter keinen Umständen zu verlieren, zweitens um das Rüstungsgleichgewicht im Nahen Osten, soweit es existiert, aufrechtzuerhalten und damit den Zustand des negativen Friedens, um weitere Optionen und Einsatzmöglichkeiten offenzuhalten.

Jordaniens Position ist schwierig, zum einen, da der „Westen“ aus vielen verschiedenen Ländern und internationalen staatlichen Organisationen besteht, die dementsprechend eher selten dieselben politischen Positionen im Nahen Osten vertreten. Zum anderen sind sie selber eine Monarchie, was den westlichen Werten wiederspricht und so die gesamte Entscheidungsmacht beim König liegt. Seine Außenpolitik wird durch die Verbündeten oft kontrolliert und reglementiert, was ihm die eigentliche Macht im Einflussbereich zum großen Teil wegnimmt, und ihm damit in großen Maßen seiner eigentlichen Macht und Kontrolle beraubt. Zudem besteht eine ständige Anspannung zwischen ihnen und Syrien/Palästina, was sie zum direkten Feind Syriens in dem von Assad ausgehenden Konflikt macht.

Abschließend kann man Jordanien also nicht zu 100% einer Position zuordnen. Sie vertreten monarchische Werte, eine westliche Wirtschaftspolitik und außenpolitische Konfliktbewältigung und Eindämmung, was durch die westlichen Alliierten über die Jahre zustande kam. Andererseits haben sie in der Vergangenheit und Gegenwart auch oft für ihre eigenen Ziele gekämpft, was Spannung zwischen Jordanien, dem restlichen Nahen Osten und dem Westen herbeiführte.

 

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