Der moderne Krieg gegen den Terror

 

Ist der moderne Krieg gegen den Terror eine nie enden wollende, sich selbst erfüllende „Prophezeiung“?

 

Wenn wir von Krieg hören hat jeder von uns bestimmte Bilder im Kopf, ein Land greift ein anderes an, in das Land wird einmarschiert, Soldaten kämpfen in großer Truppenstärke gegen einen gemeinsamen Feind, es wird so lange gekämpft bis einer der Beteiligten aufgibt oder schlichtweg vernichtet ist.

Der moderne Antiterrorkrieg findet allerdings auf eine ganz andere Weise statt, er wird nicht durch Generäle und Kommandeure, sondern durch Geheimdienste geführt. Er wird nicht auf einer nationalen Ebene innerhalb von bestimmten Landesgrenzen mit Absprache dessen Regierung geführt, nein der moderne Krieg gegen den Terror findet geheim in diversen Ländern der Welt statt. In Ländern wie Algerien, Somalia, Jordanien oder dem Jemen, Ländern denen niemals überhaupt der Krieg erklärt wurde. Die Operationen finden nur Punktuell in bestimmten Regionen eines Landes statt und konzentrieren sich meist nur auf einzelne Personen oder kleine Gruppen terroristischer Vereinigungen. Diese Missionen werden durch modernste, mit Raketen und Bomben ausgestatteten, unbemannte Luftfahrzeuge –auch Drohnen genannt-, wie die Predator oder Reaper Drohnen der US Streitkräfte oder durch Spezialeinheiten der US Armee, wie z.B. die sehr bekannten Navy Seals ausgeführt. Ziel sind „gezielte“ Tötungen hoher Funktionäre von Organisationen die, die innere Sicherheit der USA gefährden.

Solche Einsätze werden durch das sogenannte „Joint Special Operations Command“, auch JSOC genannt, geplant und durchgeführt. Dem JSOC sind mehrere Spezialeinheiten wie Seal Team 6 oder die Delta Force, sowie eigene Spezial Geheimdienste wie das „Intelligence Support Activity“ kurz „ISA“ unterstellt. Dieses Joint Special Operations Command ist direkt dem weißen Haus und damit dem Präsidenten unterstellt. Seine Einsätze sind geheim und müssen nicht durch den Kongress gebilligt werden, man spricht deshalb heutzutage auch von „Obamas Privatarmee“.

JSOC wurde 1980 zur Terrorbekämpfung, Geiselbefreiung und dem „Close Quarter Battle“, was so viel wie Häuserkampf in urbanen Gebieten bedeutet. Unter der Regierung von George W. Bush erlebte das JSOC, als Reaktion auf die Terroranschläge des 11. September, seinen ersten großen Einsatz im Krieg gegen den Terror der auch als Operation „Enduring Freedom“ bezeichnet wird, und größtenteils in Afghanistan aber auch auf den Philippinen, am Horn von Afrika sowie in der Sahara stattfindet. Ziel war es und ist es immer noch, den globalen Frieden, durch die Bekämpfung von terroristischen Ausbildungslagern und Terroristen, „herzustellen“. Oberstes Ziel war es dabei die großen Köpfe der Terror Organisation Al-Qaida, wie den Anführer Osama Bin Laden zu finden, sie gefangen zu nehmen oder zu töten.

Der zweite größere Einsatz in den das JSOC beteiligt war, war der 2. Irakkrieg. Für den als Legitimationsgrund, das angebliche vorhanden sein von Massenvernichtungswaffen galt und der Absicht des Iraks die USA mit eben diesen Anzugreifen. Hiermit Rechtfertigten sie ihren „Präventivkrieg“ auch vor dem UN-Sicherheitsrat, welcher für den Angriffskrieg gegen den Irak allerdings kein UN-Mandat ausstellte. Die Invasion der Amerikaner verstieß also gegen die UN-Charta, allerdings führte die Tatsache das Amerika im Sicherheitsrat der UN eine Veto Recht besaß dazu, dass die Invasion nicht durch den UN Sicherheitsrat verurteilt wurde.

Während dieses umstrittenen Krieges wurde eine neue modernere Art der Kriegsführung angestoßen die sich seitdem extrem ausgeprägt hat, es wurden nämlich Todeslisten erstellt. Berühmt wurden diese Listen als das US Militär begann die Gesichter und Daten einzelner gesuchter Personen, bei denen es sich um 52 der meistgesuchten Irakern, der entmachteten Regierung Sadam Husseins und der Baath-Partei handelte, auf Spielkarten zu drucken. Spezialeinheiten des JSOC machten sich dann gezielt auf die Suche nach einzelnen Personen, um sie dann zu liquidieren oder festzunehmen.

Jene Todeslisten wurden mit den Jahren immer und immer länger, nicht zuletzt durch eigenes Verschulden. Denn mit tausenden Luftangriffen auf Dichtbesiedelte Städte wie Bagdad und den damit einhergehenden extrem hohen Kollateralschäden, die in der Irakischen Bevölkerung einen Regelrechten Amerikahass auslösten, was wiederum zur extremen Stärkung terroristischer Organisationen führte, die es sich zur Aufgabe gemacht haben die Amerikaner dafür zu bestrafen was sie ihnen und ihren muslimischen „Brüdern“ angetan haben.

Nach der Wahl des liberalen Demokraten Barack Obama in das Präsidentschaftsamt, mit seinen Aussprechungen gegen den Irakkrieg, gegen Folter und sein Versprechen das umstrittene Kriegsgefangenenlager „Guantanamo“ zu schließen –was nach sechs Jahren Amtszeit immer noch besteht- hätte niemand erwartet, dass der Kampf gegen der Terrorismus unter der Führung Obamas noch aggressiver wird als zu Zeiten der Bush Regierung.

Jede Woche gibt es ein Meeting in dem von Geheimdiensten neue Namen genannt werden die dann nach Absprache mit dem Präsidenten auf die „Todesliste“ aufgenommen werden, egal ob vermeintliche Al-Qaida Kämpfer im Jemen, junge Jihadisten in Somalia oder radikale Islamisten von den Philippinen oder aus Indonesien. Obama und sein „Joint Special Operations Command“ führen täglich und über den kompletten Globus verteilt verdeckte Operationen aus, von denen oft die Länder in denen diese Operationen stattfinden nicht einmal Bescheid wissen und oft noch nicht einmal die örtliche Botschaft oder CIA Zentrale.

Die Art und Weise wie viele von diesen verdeckten Operationen durchgeführt werden ist noch dazu sehr fragwürdig. Denn seit dem Amtsantritt von Obama wurde besonders der Kampf mit den Drohnen immer weiter ausgebaut, wurden sie am Anfang nur zum Zweck der Aufklärung genutzt, fliegen nun Drohnen wie die „Predator“ oder die „Reaper“, bestückt mit Raketen oder Bomben auch tödliche Einsätze. Bei denen Zwecks dem großen Zerstörungsradius nicht immer „nur“ der vermeintliche Terrorist getötet wird, sondern oft auch einfach unschuldige Zivilisten. Sie sind laut Henry H. Shelton, welcher unter der Bush Regierung Vorsitzender des vereinigten Generalstabes war und zu dieser Thematik befragt wurde: „einfach zur falschen Zeit am falschen Ort“. So werden ständig unschuldige Menschen getötet, welche deshalb nicht als Kollateralschäden in den säuberlich geführten Büchern der USA auftauchen, da z.B. jeder wehrfähige Mann in der Nähe eines vermeintlichen Terroristen als Kämpfer gezählt wird, außer es gibt stichhaltige Beweise für seine Unschuld, ansonsten ist jeder Wehrfähige der sich zur Zeit der Operation bei der Zielperson befindet auch ein potentieller Kämpfer und damit ein Feind.

Aber es ist nicht nur die Art und Weise, wie solche Operationen von statten gehen, sondern welche Informationen überhaupt gegeben werden, durch die solche Operationen überhaupt erst zu Stande kommen. Wie vertrauenswürdig sind die Quellen? Wie genau werden die Informationen überprüft? Bei Ereignissen wie in al-Majalah, das als eine Basis der Al-Qaida gegolten hat, wo diese angeblich große Waffenvorräte besessen haben sollen, es sich aber herausstellte das diese Al Qaida Basis nur ein ärmliches Beduinendorf gewesen ist, bei dessen Angriff mindestens 41 Menschen, darunter 9 Frauen und 22 Kinder starben. Dies ist nur einer von jährlich hunderten missglückter Angriffe auf Terroristen, die unschuldigen Männern, Frauen und Kindern das Leben kostet.

In seinem, über die „schmutzige“ Art und Weise, der modernen Kriegsführung der Amerikaner handelndem Dokumentarfilm „Dirty Wars“, wirft der Journalist Jeremy Scahill einige sehr interessanter Fragen auf die einem zum Nachdenken bewegen. Hier nun ein Zitat der letzten Worte aus dem beeindruckenden Film:

„Nazar hat seinen ersten Sohn und seinen ersten Enkel verloren, doch was verloren wir als der Drohnenangriff Abdul-Rahman und seine Freunde zerriss?

Die Geschichte hat kein Ende, vor unseren Augen werden inoffizielle Kriege angezettelt, überall auf der Welt werden Ausländer und [sogar] Amerikaner gleichermaßen per Dekret des Präsidenten ermordet. Der Krieg gegen der den Terror verwandelt sich selber, in eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Kann solch ein Krieg jemals enden? Und was geschieht mit uns wenn wir endlich sehen, was direkt vor unseren Augen verborgen war?“ (Dokumentarfilm, „Dirty Wars“, Jeremy Scahill)

Meine Antwort dazu ist NEIN! ein solcher Krieg kann niemals enden. Mit den Angriffen, die das Ziel verfolgen den Terrorismus zu zerstören und so die eigene Sicherheit zu gewährleisten, werden nur durch missglückte zerstörerische Drohnenangriffe ständig neue potentielle Terroristen, dessen Familienangehörige, Freunde oder Existenz zerstört oder getötet wurden, erzeugt. Die Liste der Feinde Amerikas und der kompletten „westlichen“ Welt, werden auf diese Weise ständig weiter wachsen. Dieser Krieg kann also, wenn die Art und Weise der Kriegsführung nicht verändert wird, NIEMALS enden.

Zur zweiten Frage will ich sagen, dass ich hoffe das wir wirklich einmal begreifen, „[…]was vor unseren Augen verborgen liegt […]“, dass wir einmal begreifen was überall auf der Welt geschieht nur um uns angebliche Sicherheit zu suggerieren, wie viele unschuldige Menschen täglich überall auf der Welt sterben müssen, nur damit wir, und damit meine ich in erster Linie uns Europäer und die Amerikaner, unser perfektes Luxusleben weiterhin in Saus und Braus und ohne Angst weiter genießen können.

Wir müssen einmal wirklich die Augen öffnen und uns klar machen „[…] was direkt vor unseren Augen verborgen [liegt].“ Dieser Satz ist nicht alleine Sinnbildlich gemeint, denn die meisten Drohnenangriffe werden direkt vor unseren „Augen“ koordiniert und geflogen, nämlich von der US Amerikanischen Air Base Ramstein nahe Stuttgart eben in Deutschland und nicht etwa in den jeweiligen Kriegsgebieten, es finden von dort aus beinahe täglich Operationen mit unbemannten Luftfahrzeugen statt, die oft den Tod von unschuldigen Zivilisten nach sich ziehen. Und die Informationen die zu solchen Angriffen führen, kommen mitunter auch vom deutschen Geheimdienst und von Befragungen von Asylbewerbern hier in Deutschland.

„Wir“ sind also, auch wenn das bestimmt die meisten nicht wissen, an Angriffen beteiligt, die oft auch den Tod von unschuldigen Zivilisten nach sich ziehen. Und eben diese Unwissenheit muss „bekämpft“ werden. Die Bevölkerung muss sich im Klaren sein, dass zu ihrer „Sicherheit“ täglich Menschen sterben, und sie muss diese Tatsache hinterfragen. Denn erst wenn dieses Bewusstsein bei uns in der Bevölkerung und überall da wo dieses Bewusstsein noch nicht vorhanden ist einsetzt, sind wir auch in der Lage Phänomene zu verstehen die wir uns bis jetzt, zwecks unserer vorherrschenden Unwissenheit nicht erklären können, z.B. warum eine derart brutale Terrororganisation wie der „Islamische Staat“ solch einen Zulauf erfährt, wie es in den letzten Jahren der Fall war und immer noch ist.

 

 

 

Quellen:

Internet:

Dokumentationen:

  • Dirty Wars
Dieser Beitrag wurde unter Terrorbekämpfung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.