Der Heilige Krieg – ein islamisches Phänomen?!

„Gott will es!“ 1. Diese Worte hört man oftmals vor einem islamistischen Attentat. Worte die mit dem Heilige Krieg und vor allem mit dem Wort „Dschihad“ verbunden sind. Ein Wort, das von den radikalen Muslimen einfach nur missbraucht und in einem falschen Zusammenhang eingesetzt wird, um so ihre Taten rechtfertigen zu können.

Dabei weiß doch kaum jemand, was wirklich hinter dem Wort „Dschihad“ steckt. „Dschihad“ bedeutet nach arabischer Übersetzung nichts anderes als „sich Bemühen“ oder „streben nach etwas“. Darunter ist zu verstehen, dass jeder einzelne Muslime die Aufgabe hat, sich selbst zu reformieren, das Böse (Eigenschaften wie Neid oder Eifersucht) in sich selbst zu vertreiben und das mit entschlossenen und friedfertigen Einsatz. Ein Blick in den Koran unterstützt das vorangegangene und sagt:

„Und setze dich mit aller Kraft dafür ein („dschihad“), dass Gott Gefallen an dir findet, so intensiv, wie es nur geht, und wie es Ihm gebührt. Er hat euch erwählt und euch keine Härte in Glaubensangelegenheiten auferlegt; folgt dem Bekenntnis eures Vaters Abraham.“ 2

In diesem Vers wird deutlich, wonach die Muslimen sich bemühen und streben sollen, nämlich Gott gefallen. Dazu sagt Gott selbst, dass dieser Weg nicht in Streitereien mit den anderen Religionen enden solle. Dabei dient Abraham als Vorbildfunktion für die Muslimen.

Desweiteren ist noch zu erwähnen, dass im Koran, das Buch wonach die Muslime ihr Leben richten sollen, nie das Wort „heilig“ mit Krieg in Verbindung steht.

In Anbetracht dieses Vorwissens, muss immer noch geklärt werden, warum die gegenwärtigen Terrorgruppen immer vom Heiligen Krieg sprechen und wo die Wurzeln des Heiligen Krieges liegen.

Historischer Rückblick:
Bereits im Mittelalter sehen wir, dass das christlich von den Päpsten beherrschte Westeuropa zum Kampf im Orient aufrufen. Papst Urban II. rief 1095 zur Befreiung Jerusalems von den Muslimen auf. Diese Kreuzzüge waren eine Art Heiliger Krieg, die im Namen Gottes („Gott will es!“ 1) durchgeführt wurden. Dabei wurden die gläubigen Christen in Westeuropa zum Kampf gegen die Ungläubige aufgerufen (diesen Kreuzzügen fielen nicht nur Muslime zum Opfer, sondern auch Juden). Die Ursache sehe ich in der Kreuzzug Propaganda, wo man die Muslimen als Gottesfeinde und Kirchenschänder darstellte. Es wurde den Menschen in Westeuropa von angeblichen Gräueltaten und Verfolgung von Christen im Heiligen Land berichtet. Der Papst versprach den Menschen, dass die Teilnahme und der Tod an Kreuzzügen zur Buße und Befreiung von Sünden führen würden. Aufgrund dessen war der Einmarsch in Jerusalem ein bestialischer Akt der Gewalt. Man tötete tausende unschuldige Menschen, die dort in Frieden ihren Glauben praktizierten. Die Schuld daran trägt meines Erachtens nach die Kreuzfahrer, die das friedliche Zusammenleben zwischen Muslimen, Christen und Juden in Jerusalem nicht akzeptierten und dieses Schlecht redeten.
Schon zu jener Zeit kam es in Jerusalem zu einem friedlichen Kulturzusammenstoß, wo man die Kultur der anderen akzeptierte und ihnen (Christen und Juden) die Möglichkeit gegeben hatte, ihren Glauben weiter auszuüben. Daher kann ich die Eroberung Jerusalem (1099) nur in zwei Worten zusammenfassen, Null Toleranz.
Danach begann eine Zeit von Jahrhundert langer Kämpfe zwischen Christen und Muslimen um das Heilige Land.

Am Ende wurden jedoch die Kreuzfahrer aus Jerusalem vertrieben, da sie ihr eigentliches Ziel, die Verteidigung Jerusalem, vernachlässigt hatten und nur noch mit blutigen Angelegenheiten beschäftigt waren. Dennoch kann man sagen, dass die Kreuzzüge, nicht nur ein Dorn in der Geschichte Europas waren, sondern auch das Kulturleben in Europa erweitert haben. Die Rückkehrer aus Jerusalem brachten der westlichen Kultur etwas von der orientalischen Kultur mit sich, wie z.B. exotische Früchte oder Gewürze.

Aber die Kreuzzüge hatten auch machtpolitische Interessen der katholisch-römischen Kirche innerhalb der Christenheit. Denn 1054 mit dem morgenländischen Schisma (gegenseitige Exkommunikation und Trennung der römisch-katholischen Kirche und der orthodoxen Kirch) ging es den Päpsten auch darum, die Macht innerhalb der Christenheit an sich zu reißen.

Aufgrund dessen sehe ich den Kerngedanke („Gott will es!“) von Kreuzzügen bis heute. Bei radikal-islamistischen Gruppierungen, wie ISIS findet sich dieser Gedanke wieder. Genau aus diesem Gedanken kam der Westen mit seinen scheinbaren Kreuzzügen ins Feindbild der radikalen Muslimen, die durch den falsch interpretierten „Dschihad“ ihre Anschläge rechtfertigen.

Auch die Terrorbekämpfung, die George Bush nach den 11. September Anschlägen begann, lassen sich Vorstellungen von „Kreuzzügen“ wieder finden. (Zitat von George Bush am 16.09.2001: „And the American people are beginning to understand. This crusade, this war on terrorism is going to take a while.”) 3

Man sieht, dass Kreuzzüge nicht nur religiös verbunden sind, sondern vielmehr machtpolitische Interessen gehegt wurden. Dabei wurde aber die Religion zur Massenmobiliserung benutzt.

In Betracht dieses historischen Abrisses kann man festhalten, dass der Heilige Krieg nicht nur ein muslimisches Phänomen ist, sondern vielmehr aus dem Heiligen Krieg der Kreuzzüge hervorgegangen ist und dort seinen Anfang hatte.

In Anbetracht dessen sind Gemeinsamkeiten zwischen den Kreuzzügen aus der Vergangenheit und der allgegenwärtigen radikalen Terrorgruppe ISIS nicht zu verleugnen. Heute ist es die IS, die zum Heiligen Krieg aufruft, ebenfalls mit einem bestialischen Akt, wie die Kreuzzüge. Auch sind die Ziele der ISIS auf machtpolitischen Interessen zurückzuführen. Die ISIS ist bestrebt einen islamischen Staat durchzusetzen und diesen weiter expandieren zu lassen. Dabei wird auch hier wieder die Religion ausgenutzt, um die Masse zu mobilisieren und die Macht innerhalb seiner Reihen zu sichern.
Trotzdem sollte man den wesentlichen Unterschied der beiden nicht außer Acht lassen. Während die Kreuzzüge im Mittelalter, ganz gleich wie bestialisch sie waren, das Ziel, die Rückgewinnung und Verteidigung Jerusalems vor Augen hatten, ist es mit dem heutigen Terror anders. Ihr Ziel ist Rache, die mit religiösem Hass gefüllt ist und die westliche Bevölkerung als Feindbild angenommen hat, sei es bereits vor den Kreuzzüge oder erst mit den Kreuzzügen entstanden.

Fazit:
Schlussfolgernd kann ich nur noch sagen, dass der Heilige Krieg nicht nur ein muslimisches Phänomen ist, sondern sich auch in eine andere Religion wiederfinden lässt. Dabei fällt vor allem auf, dass früher der „Heilige Krieg“ von den Kreuzzügen vollzogen wurde, um so ihre Macht und Ziele durchzusetzen. Heutzutage ist es die muslimische Terrorgruppe ISIS, die zum „Heiligen Krieg“ aufruft, um so ebenfalls ihre Ziele zu erreichen. Auffallend ist vor allem, dass beide Gruppierungen nur auf diese Art und Weise, die Möglichkeit sehen etwas verändern zu können. Keiner wollte den friedlichen Weg gehen, da man dort keine großen Erfolgswahrscheinlichkeiten sah.
Traurig finde ich dabei nur, dass bei den Heiligen Krieg, obgleich Kreuzzüge oder Dschihad, unschuldige Menschen ums Leben kommen und die Religion in den Schmutz gezogen wird. Dadurch entstehen doch erst recht die Vorurteile und die Abstempelung von Personen, die man dann alle in eine Schublade packt und nur noch „DER ISLAM mal wieder“ sagt. Zudem soll nochmal gesagt werden, dass selbst Gott die Taten der Islamisten, die im Namen Gottes einen Krieg führen, nicht unterstützt, denn es heißt:

„Wer einen Menschen tötet, für den soll es sein, als habe er die ganze Menschheit getötet. Und wer einen Menschen rettet, für den soll es sein, als habe er die ganze Welt gerettet.“4

Aufgrund dessen hat der Heilige Krieg nichts mit dem Koran zu tun, da Gottes Ziel der Erhalt des Friedens ist.

1) Ausruf von Papst Urban II.
2) Koran: Sure 22, Vers 78
3) http://georgewbush-whitehouse.archives.gov/news/releases/2001/09/20010916-2.html
4) Koran: Sure 5, Vers 32

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4 Antworten auf Der Heilige Krieg – ein islamisches Phänomen?!

  1. Nina sagt:

    Ein interessanter Artikel! Ich gebe dir vollkommen Recht, dass der „Heilige Krieg“ nicht nur ein muslimisches Phänomen ist, sondern bereits im Christentum in Form von Kreuzzügen vollzogen wurde. Ich möchte hierzu noch hinzufügen, dass man beachten sollte, dass das Christentum sehr viel früher entstand (c.a. im 1.Jh) als der Islam (c.a. im 7. Jh). Die Kreuzzüge der Christen fanden im 11-13 Jh. statt, der Dschihadismus zum Beispiel ist momentan aktuell. Vergleicht man nun die zahlen miteinander, so fällt auf, dass die Kreuzzüge in der Geschichte des Christentums (ung. 13 Jahrhunderte nach Gründung) in fast der selben Zeit ausgeführt wurden wie der Dschihadismus in der Geschichte des Islams (ung. 14 Jahrhunderte nach Gründung).
    Man könnte also vermuten, dass solche extremistischen Strömungen wie der Dschihadismus eine „natürliche“ Entwicklung des Islams darstellt, wie es auch die Kreuzzüge im Christentum getan haben. Eine Entschuldigung für die schrecklichen Folgen der beiden „Kriege“ ist das ganze nicht, aber vielleicht erklärt es noch ein wenig deutlicher, was die Kreuzzüge und speziell der Dschihadismus gemeinsam haben.

    • Nina sagt:

      Hallo Tiffany,
      dir ist dein Artikel zum Thema „Der heilige Krieg“ und die damit verbundene Frage, ob diese Art von Krieg einzig und allein im Islam aufzufinden ist wirklich gut gelungen. Du hast eine einleuchtende Verbindung zwischen den Kreuzzügen und dem islamistischen Terror hergestellt und diese gut erklärt.
      Zunächst einmal stellst du klar, was Dschihad überhaupt bedeutet und das der Krieg im Koran nie als „heilig“ bezeichnet wird. Diesem stimme ich dir zu, doch es gibt durchaus Verse im Koran, die zum Krieg aufrufen wie z.B. „Vorgeschrieben ist euch der Kampf, obwohl er euch zuwider ist. Aber vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch ist. Und vielleicht liebt ihr etwas, während es schlecht für euch ist. Und Gott weiß, ihr aber wißt nicht Bescheid.“ Alle Menschen, die dem Koran anhängen, sind streng genommen also dazu verpflichtet zu kämpfen, da die heilige Schrift es Ihnen so vorschreibt. Allerdings sollte man auch beachten, dass alle Zitate die ich und die auch du verwendet hast, aus dem Kontext gerissen sind.
      Im weiteren Verlauf stellst du unter anderem eine direkte Verbindung des islamisischen Terrors und der Kreuzzüge heraus. Diesem kann ich dir vollkommen zustimmen. Ich gebe dir Recht, dass der “Heilige Krieg” nicht nur ein muslimisches Phänomen ist, sondern bereits im Christentum in Form von Kreuzzügen vollzogen wurde. Ich möchte hierzu noch hinzufügen, dass man beachten sollte, dass das Christentum sehr viel früher entstand (c.a. im 1.Jh) als der Islam (c.a. im 7. Jh). Die Kreuzzüge der Christen fanden im 11-13 Jh. statt, der Dschihadismus zum Beispiel ist momentan aktuell. Vergleicht man nun die zahlen miteinander, so fällt auf, dass die Kreuzzüge in der Geschichte des Christentums (ung. 13 Jahrhunderte nach Gründung) in fast der selben Zeit ausgeführt wurden wie der Dschihadismus in der Geschichte des Islams (ung. 14 Jahrhunderte nach Gründung).
      Man könnte also vermuten, dass solche extremistischen Strömungen wie der Dschihadismus eine “natürliche” Entwicklung des Islams darstellt, wie es auch die Kreuzzüge im Christentum getan haben. Eine Entschuldigung für die schrecklichen Folgen der beiden “Kriege” ist das ganze nicht, aber vielleicht erklärt es noch ein wenig deutlicher, was die Kreuzzüge und speziell der Dschihadismus gemeinsam haben.
      Letztendlich komme ich, genau wie du, zu dem Fazit, dass nicht nur der Islam das Phänomen des „heiligen Krieges“ aufweist, doch möchte darauf hinweisen, dass viele Verse des Korans im Wiederspruch zueinander stehen und man den Koran gänzlich durchlesen sollte, um sich ein unverfälschtes Bild zu machen.

  2. Fiole sagt:

    Krieg als „heilig“ zu bezeichnen, ist die gemeinste Art privilegierten Mord zu beschönigen. Mord bleibt Mord, gleich von welcher „Religion“ er begangen wird.
    Die sogenannten „Kreuzzüge“ wurden von einem Unwissenden und irregeleiteten Volk, im Namen der „Kirche“ begangen, welches vom Klerus bewusst dummgehalten wurde und nicht in der Lage war, Lüge und Wahrheit auseinander zu halten. Lesen und Schreiben war ein Privileg der „Gelehrten“ . Von der Kanzel herab wurde und wird noch heute lateinisch geredet und das Volk schaute gläubig zum „Herrn Pfarrer“ hinauf. Im Evangelium des Sohnes Gottes steht nichts von einem heiligen Krieg und auch der Koran verurteilt Mord, da steht nichts von 99 Jungfrauen, die nur darauf warten einem Selbstmordattentäter dienlich zu sein. Bleibt zu hoffen, dass auch gläubige Muslime sich selbst ein Urteil bilden und nicht Extremisten und Dschihadisten nachlaufen.

  3. Krasser Beitrag. Allerdings will ich auch sehen, dass Dinge nicht jedes Mal so einfach sind. Realismus ist oft eine Tugend.

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