Abu Sayyaf – Ein Kampf der Kulturen?

Traumhafte Strände, klares Wasser, sonniges Wetter, familiärer Umgang, dies sind nur wenige Verbindungen die man aufbaut, wenn man über die Philippinen spricht. Doch häufig fällt auch der Begriff „Terror“, dies wurde vor allem durch die Abu Sayyaf übertragen.
Die Abu Sayyaf wurde über Jahre hinweg immer bekannter, ihre im Allgemeinen brutalen Vorgehensweisen, Enthauptungen, Massenmord und im Augenmerk ihre Entführungen, alles führten sie Impulsartig über Jahre hinweg durch.

In Gesprächen mit Bekannten wurde ich häufig gefragt: Was haben die eigentlich vor? Woher kommen die? Wie haben die sich aufgebaut? Warum machen die das?

Augenscheinlich würde man glauben, dass Jemand mit philippinischen Wurzeln alles sofort beantworten könnte. Ich musste mich aber selbst vorerst informieren und habe mich unter anderem daran versucht mehr aus meinem familiären Umfeld zu erfahren, in der Hoffnung, dass die mir auch Erfahrungen zu diesem heiklen Thema erzählen könnten, mehr als das Internet, doch dies scheint ein Tabu-Thema zu sein, zumindest für die Personen die selbst aus der Region kommen, wo sich die Abu Sayyaf bildete: Mindanao. Mir wurden teilweise schlimme Schicksale berichtet, was für mich wiederum die Abu Sayyaf als Tabu-Thema erklärt.

Mindanao befindet sich auf dem Süd-Westlichen Teil der Philippinen, der ohnehin wegen der Abu Sayyaf verpönt wird, weil der Süden dadurch als angeblich „Gefährlich“ gekennzeichnet wird. Natürlich gibt es die ein oder andere Ecke, die man meiden sollte, aber gibt es die nicht überall?

Mit einem Schwenker auf die Geschichte der Philippinen kann man sich schon einiges erschließen.

Ihr kennt die Philippinen wahrscheinlich als eher christlich Orientiertes Land.  Doch damals hatte es einen starken indischen Einfluss. Bis heute kann man diesen auch erkennen, neben Einfluss unter anderem aus China, Arabien, Malaysia, Amerika und Spanien. Der Arabische und der Spanische Touch, ist der wohl am meisten ausgeprägte.

Zum Jahre 1380 fand, über Handelswege, ein islamischer Missionar namens Sharif Maqdum auf die Philippinen. Um genau zu sein: Mindanao. Dort gewann er langsam Einfluss und verbreitete mit Hilfe seiner Genossen den islamischen Glauben. Hier muss ich besonders betonen, dass dies äußerst friedlich geschah. Der Glaube wurde von den Meisten angenommen und Jene die den Glauben nicht annehmen wollten, haben es einfach nicht getan. Das Land bestand zu der Zeit aus vielen kleinen Stämmen, welche relativ einfach zu beeinflussen waren, anscheinend.

Bis zum 16. Jahrhundert breitete sich langsam der islamische Glauben weiter aus. Es gab einzelne Bereiche wo es sehr viele Moslems gab, doch waren diese Bereiche überwiegend im südlichen Teil anzutreffen, wenn man es genau nimmt sogar heute noch.
Im Jahre 1565 wurden die Philippinen von Spaniern als Kolonie eingenommen, sie verbreiteten sich vom Norden der Philippinen zum Süden hin. Auch hier wurde ein Glaube, und zwar der Christliche zügig von den nördlichen Einwohnern verinnerlicht. Auch dieser Schritt soll mit wenig Gewalt stattgefunden haben, außer im Süden…

Somit kann man kurz zusammenfassen: Der Norden eher christlich, Süden eher muslimisch und die Mitte eine Mischung aus fast allen Einflüssen.

Fast selbsterklärend kann man sich vorstellen, dass die Spanier im südlichen Teil auf Widerstand trafen. Als Beispiel bezeichneten die Spanier die dort lebenden Moslems als „Moros“ was so viel wie Maurer bedeutet. Leider konnte ich nicht erfahren, warum sie die Moslems so nannten, manche sagen, weil sie viele Moscheen errichtet haben, aber dies klingt doch recht weit her geholt.

Als dann zur Zeit des zweiten Weltkrieges immer mehr Zuwanderer in das Land kamen, rückten diese vom Norden immer weiter in den Süden, so dass sich zum einen der christliche Glauben immer weiter verbreitete, nicht nur von der Landesfläche, sondern auch von der Personenanzahl. Im Gegenschluss muss das ja bedeuten, dass der Süden und damit die Moslems auf gewisser Weise verdrängt wurden.
Exakt der Punkt der Verdrängung macht es für mich fast selbstverständlich, warum eine Bewegung gegen den Christentum entstand, wenn nicht ein gewisser Grad an Toleranz existiert, wird es wohl kaum dazu kommen, dass zwei Religionen, welche sich über Jahrhunderte aufgebaut haben, ohne Komplikationen nebeneinander oder gar miteinander funktionieren können.

Man kennt es nun mal, dass es immer welche gibt, die komplett gegen das Eine und für das Andere sind.

Aus dieser Situation heraus bildeten sich im Jahre 1970, also viele Jahre später, die „Nationale Befreiungsfront der Moros“, auch als MNLF abgekürzt(Moro National Liberation Front). Diese Front hat sehr schnell Anhänger gefunden, die unzufrieden mit der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Situation waren. Sie haben mit Hilfe von Waffen eine Islamisierung des Südens gefordert. Durch Vorgehensweisen vom Staat, welcher unter anderem Hilfsprogramme durchsetzte und damit zugab, dass Probleme existierten ging der Drang der MNLF zurück.

Nachdem 1996 ein Friedensabkommen mit der Regierung und der MNLF vereinbart wurde, gruppierten sich einzelne damalige Anhänger der MNLF zu der so genannten Abu Sayyaf, was übrigens so viel wie „Schwertkämpfer“ bedeutet. Diese Mitglieder versuchten weiterhin die Philippinen zu islamisieren. Sie verwendeten von nun an aber wesentlich mehr Gewalt. Es ist bekannt, dass auch zu den politischen Forderungen auch reine Geldgier kam.

Das man sagt, dass die Abu Sayyaf auch zur Al-Qaida Verbindungen haben soll, ist einerlei. Das sie von Amerika unterstützt werden, auch fraglich. Das sie sogar von der philippinischen Regierung selbst unterstützt werden soll, damit diese als bekannte Terrorgruppe Geld fordern kann, damit die Regierung davon etwas abbekommt, sind alles ungeklärte Fragen/Mythen. Vor allem wenn man darüber nachdenkt, was es noch alles für weitere Fragen bezüglich der Abu Sayyaf gibt, wird man nur schwer auf eine Lösung kommen.

Ich möchte beim besten Willen die Abu Sayyaf nicht verharmlosen, sie ist eine Terrorgruppe, welche durch brutalste Arten und Weisen ihre Forderungen versucht durchzusetzen und zu oft Erfolg damit hat. Ich schätzte sie wirklich als Gefährlich ein, doch möchte ich verdeutlichen und Denkanstöße geben, dass sie nicht von irgendwo her kam und sich über Jahre hinweg aufgebaut hat.

Was haben die eigentlich vor?
– Vertreibung der Christen auf dem Süden der Philippinen

Warum machen die das?
– alte Herrschaftsansprüche ?
– Einfluss aus den arabischen Ländern ?
Man weiß es nicht.

Wie ich es bereits vorher im Text erwähnt habe, kann ich es vollkommen nachvollziehen, dass eine Bewegung gegen die des Christentums entstand. Das Argument: “ Wir waren als erstes da“ finde ich vollkommen nachvollziehbar. Doch woher kommt die Brutalität? Es ist unerklärbar.
Kommt sie durch den Frust, dass der islamische Glaube auf den Philippinen über Jahrhunderte hinweg stetig verdrängt wurde und immer mehr ins negative gerückt wurde und wird? Ich kann es mir sehr gut vorstellen, dass Tradition, Normen und Sitten, aber auch, dass sich ein Gefühl der geringen Akzeptanz über etliche Jahre gefestigt hat.
Doch ist all dies keine Rechtfertigung für die Brutalität die die Abu Sayyaf anwendet auch, wenn sie weit tiefere Geschichtliche hintergründe hat als man auf den ersten Blick glauben mag…

 

 

Zum Nachlesen/Quellen:

http://www.spiegel.de/spiegelspecial/a-306729.html

http://www.philippines-guide.de/philippinen/geschichte

http://www.welt.de/politik/ausland/article132624576/Wer-sind-die-Schlaechter-von-Abu-Sayyaf.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Abu_Sajaf

http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Philippinen/misuari.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Befreiungsfront_der_Moros

 

 

 

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Eine Antwort auf Abu Sayyaf – Ein Kampf der Kulturen?

  1. Gymbla1 sagt:

    Hallo Gnar,
    Ich habe aufmerksam deinen Artikel gelesen, da er mir sofort ins Auge gestochen ist. Ich finde das Thema was du gewählt hast besonders spannend, da es eine neue Terror Gruppe ist, mit der man sich noch nicht so viel beschäftigt hat. Mir hat dein Artikel gefallen, dennoch sind mir ein einige Aussagen deinerseits aufgefallen.

    Als erstes ist mir der Satz „Bewegung gegen die Christen“ und „Vertreibung der Christen aus dem Süden der Philippinen“ von Abu Sayyaf ausgehend aufgefallen. Dahingegen hat das Christentum, wie du es in deinem Artikel beschreibst ihren Glauben nicht radikal durchsetzte „Jene die den Glauben nicht annehmen wollten, habe es einfach nicht getan“. Also versucht Abu Sayyaf ihren Glauben äußerst Radikal durchsetzten wohingegen das Christentum mit möglichst wenig Gewalt versucht hatte ihren Glauben zu Verbreiten. Der unterschied liegt außerdem hierbei bei dem Unterscheid zwischen Verbreiten (Christen) und der Vertreibung durch Abu Sayyaf! Du hast in deinem Artikel gesagt, dass das Christentum während der Verbreitung ihres Glaubens 1565 alles mit möglichst wenig Gewalt gemacht habe, „außer im Süden“. Ich finde diese Aussage fraglich, da sie von deiner Seite aus auch weiterhin nicht aufgegriffen und/oder untermauert wird.
    Zweitens ist mir aufgefallen dass du es vollkommend nachvollziehen kannst dass solch eine Bewegung entstanden ist, aufgrund von „Alten Herrschaftsansprüchen“ und „Wir waren als erster da“. Ich finde diese Aussagen zweifelhaft, denn auch vor der Verbreitung muss es einen Glauben gegeben haben z.B von Uhreinwohnern etc., welcher auch durch den Islam verdrängt wurden müsste. Somit hätten nach deiner Auffassung auch andere Völker dass Recht ihren Glauben so stark zu vertreten weil sie ja „als erstes da waren“. Des Weiteren finde ich es Fragwürdig was „Alte Herrschaftsansprüche“ mit den Glauben zu tun haben. Denn dann würde Abu Sayyaf eine Diktatur sein die ihrer Bevölkerung keine Meinungs/Glaubensfreiheit gestattet.
    Drittens muss man auch herausstellen, dass die Verdrängung des Islams im Süden von den Philippinen bis ins 16. Jahrhundert reichte und wir zurzeit dass Jahr 2015 haben. Jeder Glauben sollte sich eigentlich Weiterentwickelt haben. Früher dachte man ja auch dass die Erde eine Scheibe ist. Also müssten im Übertragenen Sinne die Generationen der Abu Sayyaf nicht Weiterentwickelt haben und währen auf einem Geistige Wissensstand von mehreren Jahrhunderten zurück.

    Ich hoffe du verstehst was ich damit Ausdrücken wollte und dass du darüber vielleicht Nachdenkst und deine Meinung darüber nochmal Überdenkst!

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